Die Wörter der Architektur

Begriffe von Abakus bis Westturm. Der Lautsprecher liest den Begriff in seiner Ursprungssprache vor.

Abakus: Die quadratische Platte ganz oben auf einem Kapitell, die das Gebälk aufnimmt.

Akanthus: Mittelmeerpflanze mit gelappten Blättern. Die Blätter sind das Vorbild für den Schmuck des korinthischen Kapitells und kehren im Dekor von der Antike bis ins 19. Jahrhundert wieder.

Kämpfer: Der Punkt, an dem ein Bogen oder ein Gewölbe von seinem Auflager aus nach außen zu schwingen beginnt.

Arkade: Eine Reihe von Bögen, die von Pfeilern oder Säulen getragen werden, offen oder blind.

Architrav: Der unterste Teil des Gebälks einer Säulenordnung: der Balken, der unmittelbar auf den Kapitellen ruht.

Atrium: Hof oder Lichthalle in der Mitte eines Gebäudes. In der römischen Villa der offene Raum hinter dem Eingang, heute oft ein verglaster Lichthof.

Balustrade: Geländer aus kleinen gedrechselten Säulchen, den Balustern, mit einem Handlauf. Seit der Renaissance häufig auf Terrassen, Balkonen und Dachabschlüssen.

Basilika: Längsgestrecktes Gebäude mit hohem Mittelschiff und niedrigeren Seitenschiffen, bei dem die oberen Fenster des Mittelschiffs Licht spenden. Die römischen Gerichtshallen wurden zum Vorbild der christlichen Kirchen.

Geschossdecke: Der tragende Teil zwischen zwei Geschossen. In der klassischen Architektur auch der horizontale Abschnitt über den Säulen: Architrav, Fries und Gesims.

Fensterband: Langes, liegendes Fensterband, das sich über die Fassade zieht. Erst möglich, als die Wand nicht mehr trägt; einer der fünf Punkte Le Corbusiers.

Brutalismus: Nachkriegsmoderne mit rohem, unverputztem Beton (französisch béton brut) und schweren, skulpturalen Baukörpern.

Brise-soleil: Sonnenschutz aus festen Lamellen oder Waben vor der Fassade, typisch für Le Corbusier und die Moderne in warmen Ländern.

Campanile: Freistehender Glockenturm neben einer Kirche, in Italien verbreitet. Der Schiefe Turm von Pisa ist ein Campanile.

Dekonstruktivismus: Richtung seit den 1980er-Jahren mit zersplitterten, schrägen und scheinbar instabilen Formen. Frank Gehry und Zaha Hadid werden dazugezählt.

Dorisch: Die älteste und strengste griechische Säulenordnung: ein kräftig kannelierter Schaft ohne Basis und ein schlichtes, kissenförmiges Kapitell.

Entasis: Die leichte Schwellung, die die Griechen dem Säulenschaft gaben, damit er aus der Entfernung nicht eingefallen wirkt.

Fassade: Die Außenwand eines Gebäudes, besonders die zur Straße hin, die dafür gemacht ist, gesehen zu werden.

Dreiecksgiebel: Dreieckiges oder segmentförmiges Giebelfeld über einem Portikus, einem Fenster oder einer Tür. Auch Tympanon genannt, wenn man das Feld selbst meint.

Fries: Mittlerer Teil des Gebälks, oft mit Reliefs geschmückt. Allgemein: ein schmales, verziertes Band entlang einer Wand.

Funkis: Schwedisches Alltagswort für den Funktionalismus: weiße, glatte Häuser mit Flachdächern und liegenden Fenstern, seit den 1930er-Jahren.

Gesims: Vorspringende Leiste, die die Fassade vor Regen schützt und eine Grenze markiert, vor allem am Dachansatz.

Gesamtkunstwerk: Ein Werk, in dem Gebäude, Einrichtung, Möbel und Kunst als Ganzes gestaltet sind. Ein Ideal von Jugendstil und Nationalromantik.

Gotländische Kirche: Eine der gut neunzig mittelalterlichen Kirchen Gotlands, im 12. bis 14. Jahrhundert aus Kalkstein gebaut und seither weitgehend unverändert.

Granitstein: Naturstein aus Granit oder Gneis, oft gespalten. Baumaterial vieler mittelalterlicher schwedischer Kirchen und Burgen.

Gustavianischer Stil: Schwedischer Klassizismus zur Zeit Gustavs III., etwa 1772–1810: helle Farben, gerade Linien und antike Motive.

Hochchor: Der östliche, erhöhte Teil einer großen Kirche, in dem der Hochaltar steht.

Ionisch: Säulenordnung mit schlankerem Schaft, Basis und einem Kapitell mit zwei schneckenförmigen Voluten.

Kapitell: Das Haupt der Säule oder des Pfeilers, das die Last vom Gebälk auf den Schaft überträgt. Seine Form verrät die Ordnung.

Kassette: Vertieftes Feld in einer Decke oder einem Gewölbe, in einem Rastermuster. Die Kuppel des Pantheon ist kassettiert, was sie sowohl schmückt als auch leichter macht.

Säule: Runde, tragende Stütze mit Basis, Schaft und Kapitell nach einer der klassischen Ordnungen. Vergleiche Pfeiler.

Komposit: Römische Säulenordnung, die korinthische Akanthusblätter mit ionischen Voluten verbindet.

Chor: Der Teil der Kirche, in dem der Altar steht, normalerweise im Osten.

Korinthisch: Die reichste griechische Ordnung: schlanker Schaft und ein glockenförmiges Kapitell, besetzt mit Akanthusblättern.

Vierung: Der Ort, an dem Langhaus und Querhaus sich kreuzen, oft unter einem Turm oder einer Kuppel.

Kreuzgewölbe: Gewölbe, das entsteht, wenn zwei Tonnengewölbe sich durchdringen. Mit Rippen entlang der Diagonalen wird daraus ein Kreuzrippengewölbe, die wichtigste Erfindung der Gotik.

Kuppel: Gewölbe in Form einer Halbkugel oder Ähnlichem, über einem runden oder vieleckigen Raum.

Langhaus: Der westliche, lange Teil der Kirche, in dem die Gemeinde sitzt, zwischen Turm und Chor.

Laterne: Kleiner, offener oder verglaster Aufbau auf dem Scheitel einer Kuppel oder eines Daches, der Licht einlässt und die Form krönt.

Loggia: Ein Raum oder Gang, der sich durch eine Arkade oder Kolonnade zum Freien öffnet, aber in das Gebäude hineingezogen ist.

Mansarddach: Gebrochenes Dach mit steiler unterer und flacher oberer Dachfläche, das Platz für Räume im Dachgeschoss schafft. Benannt nach François Mansart.

Millionenprogramm: Das Ziel des schwedischen Reichstags von 1965, in zehn Jahren eine Million Wohnungen zu bauen. Das Ziel wurde 1974 erreicht, aber die Vorortsiedlungen wurden vielfach kritisiert.

Mittelschiff: Der höhere mittlere Teil des Langhauses einer Basilika, flankiert von den Seitenschiffen.

Nationalromantik: Nordischer Stil um 1900–1920, der in heimischen Materialien und mittelalterlichen Vorbildern eine nationale Form suchte: Backstein, Stein, Holz und steile Dächer.

Oculus: Runde Öffnung in der Decke oder Kuppel, wie das neun Meter weite Auge des Pantheon zum Himmel.

Palladianismus: Architektur in der Nachfolge Andrea Palladios, mit Tempelfronten an Villen und strenger Symmetrie. Im England des 18. Jahrhunderts von großer Bedeutung.

Pfeiler: Senkrechte, tragende Stütze, oft viereckig oder vieleckig. Allgemeiner als Säule, die einer klassischen Ordnung folgt.

Pendentif: Das sphärische Dreieckfeld, das von einer runden Kuppel zu einem viereckigen Raum überleitet. Die Hagia Sophia ist das große Beispiel.

Piano nobile: Das vornehmste Geschoss eines Palastes, meist eine Treppe hoch, mit der größten Raumhöhe und den prächtigsten Fensterrahmungen.

Pilaster: Flache, leicht vorspringende Stütze in einer Wand, mit Basis und Kapitell. Gliedert die Fassade, ohne zu tragen.

Pilotis: Schlanke Stützen, die das Gebäude vom Boden abheben, sodass der Boden darunter frei bleibt. Einer der fünf Punkte Le Corbusiers.

Portikus: Offene Vorhalle mit Säulen und oft einem Giebel vor einem Eingang, wie eine Tempelfront.

Postmoderne: Reaktion auf die Moderne seit den 1960er-Jahren, mit spielerischen Zitaten aus der Geschichte, Farbe und Symbolik.

Putz: Mörtel, der auf eine Mauer aufgetragen wird, sowohl als Schutz als auch, um der Fassade eine glatte oder strukturierte Oberfläche zu geben.

Risalit: Teil der Fassade, der vorspringt, oft der Mittelteil oder die Ecken, um eine lange Front zu gliedern.

Rocaille: Das asymmetrische, muschel- und felsartige Ornament, das dem Rokoko seinen Namen gegeben hat.

Rosettenfenster: Großes rundes Fenster mit speichen- oder blütenartigem Maßwerk, typisch für gotische Fassaden und Querhäuser.

Rundbogen: Halbkreisförmiger Bogen. Kennzeichen der römischen Antike, der Romanik und der Renaissance.

Rustika: Mauerwerk mit grob behauenen Steinen oder stark betonten Fugen, das dem Erdgeschoss ein schweres und stabiles Aussehen gibt. Wird oft im Putz nachgeahmt.

Satteldach: Dach mit zwei Dachflächen, die sich im First treffen. Die häufigste Dachform.

Sakristei: Raum neben dem Chor, in dem der Priester sich umkleidet und in dem Kirchensilber und Messgewänder aufbewahrt werden.

Säteridach: Schwedisches gebrochenes Dach mit einem niedrigen, senkrechten Fries mit kleinen Fenstern zwischen der unteren und der oberen Dachfläche. Im 17. und 18. Jahrhundert auf Herrenhäusern verbreitet.

Sgraffito: Dekor, das in mehreren Putzschichten unterschiedlicher Farbe herausgekratzt wird.

Seitenschiff: Die niedrigeren Schiffe auf jeder Seite des Mittelschiffs einer Basilika, von diesem durch Pfeiler oder Säulen getrennt.

Schiff: Ein länglicher Raum in einer Kirche, begrenzt durch Pfeilerreihen oder Wände. Das Wort stammt vom lateinischen navis.

Schlämmfarbe: Farbe aus Wasser, Mehl, Leinöl und Pigment. Die rote Schlämmfarbe aus dem Bergwerk von Falun hat der schwedischen Landschaft ihre Farbe gegeben.

Schlussstein: Der oberste, keilförmige Stein in einem Bogen oder an der Kreuzung eines Rippengewölbes, der die übrigen verspannt.

Spitzbogen: Bogen aus zwei Kreissegmenten, die sich in einer Spitze treffen. Leitet den Druck steiler nach unten als der Rundbogen und ist das Kennzeichen der Gotik.

Turmspitze: Die spitze, hohe Bekrönung eines Turms.

Sterngewölbe: Spätmittelalterliches Gewölbe, in dem zusätzliche Rippen ein Sternmuster bilden. In schwedischen Kirchen seit dem 15. Jahrhundert verbreitet.

Tragwerk: Das tragende Skelett eines Gebäudes aus Stützen, Balken und Decken. Wenn das Tragwerk trägt, müssen die Wände es nicht tun.

Strebebogen: Bogen, der den Seitenschub des Gewölbes über das Dach des Seitenschiffs hinweg auf einen freistehenden Strebepfeiler ableitet. Macht die hohen, verglasten Wände der Gotik möglich.

Strebepfeiler: Kräftiger Pfeiler oder Mauerverstärkung an der Außenseite einer Wand, der den Druck von Gewölben oder Dach aufnimmt.

Stylobat: Die oberste Stufe des Unterbaus eines griechischen Tempels, auf der die Säulen stehen.

Backstein: Gebrannter Lehm, zu Steinen geformt. In Schweden seit dem 12. Jahrhundert, besonders in Schonen und im Mälartal, und das Lieblingsmaterial der Nationalromantik.

Turmhelm: Siehe Turmspitze. Die Turmhelme der Gotik sollten den Blick zum Himmel lenken.

Holzhaus: Die Grundlage des schwedischen Bauens: Blockhäuser aus liegenden Stämmen, später Fachwerk mit Verschalung. Heute kehrt Holz in hohen Häusern aus Brettsperrholz zurück.

Tonnengewölbe: Gewölbe mit halbkreisförmigem Querschnitt, wie eine halbe Tonne. Das Gewölbe der Römer und der Romanik.

Querhaus: Der Teil einer Kreuzkirche, der quer zum Langhaus nahe dem Chor verläuft und der Kirche ihre Kreuzform gibt.

Tympanon: Das gerahmte Feld in einem Giebel oder über einem Portal, oft mit Skulptur.

Vorhalle: Vorraum am Eingang der Kirche, bei schwedischen Landkirchen oft auf der Südseite. Der Überlieferung nach legte man dort seine Waffen ab.

Gewölbe: Gebogene Decke aus Stein, Backstein oder Beton, die sich durch Druck selbst trägt.

Walmdach: Dach mit Dachflächen zu allen vier Seiten, auch über den Schmalseiten. Der Walm ist die dreieckige Dachfläche an der Schmalseite.

Geschossgesims: Horizontale Leiste oder Band, das an einer Fassade die Grenze zwischen zwei Geschossen markiert.

Volute: Schneckenförmige Spirale, wie am ionischen Kapitell oder an Barockfassaden.

Westturm: Turm am westlichen Ende der Kirche, über dem Haupteingang. Typisch für schwedische Landkirchen.

ABC-Stadt: Vorort, der so geplant ist, dass Arbeit, Wohnen und Zentrum am selben Ort liegen, damit er nicht nur eine Schlafstadt wird. Vällingby (1954) ist das Vorbild.

Nachbarschaftseinheit: Planungsidee der Nachkriegszeit: ein überschaubarer Stadtteil mit eigener Schule, eigenen Läden und einem Gemeinschaftsraum in Gehentfernung.

Steinstadt: Die geschlossenen Blöcke aus Stein- und Putzhäusern, die ab den 1870er-Jahren in den Stadtzentren gebaut wurden, nach Bauordnungen, die nicht brennbares Material verlangten.

Lamellenhaus: Schmales, längliches Mehrfamilienhaus, das frei in Parkgelände steht statt in einem geschlossenen Block. Die Art des Funktionalismus, allen Wohnungen Licht und Luft zu geben.

Freier Grundriss: Wenn das Tragwerk trägt, lassen sich die Innenwände nach Bedarf frei platzieren. Einer der fünf Punkte Le Corbusiers.

Glasfassade: Fassade aus Glas, die außen vor das Tragwerk gehängt wird, oft Vorhangfassade (Curtain Wall) genannt.

Massivholz: Bauplatten und Balken aus verleimten Holzlamellen, stark genug für hohe Häuser. Das Kulturhaus Sara in Skellefteå ist so gebaut.

High-Tech: Richtung seit den 1970er-Jahren, die das Tragwerk, die Rohre und die Installationen außen zeigt, wie das Centre Pompidou.

Akroterion: Skulptur oder Ornament, oft eine Palmette, die die Spitze und die Ecken des Giebels eines antiken Tempels krönt.

Triglyphe: Platte mit drei senkrechten Streifen im dorischen Fries, über jeder Säule und zwischen ihnen angeordnet. Soll die Enden der hölzernen Deckenbalken älterer Tempel nachahmen.

Metope: Das fast quadratische Feld zwischen zwei Triglyphen im dorischen Fries, oft mit einem Relief. Die Metopen des Parthenon zeigen unter anderem Kämpfe zwischen Göttern und Giganten sowie zwischen Lapithen und Kentauren.

Krepis: Der stufenförmige Unterbau eines Tempels aus Stein. Die oberste Stufe heißt Stylobat.

Säulenschaft: Der lange Mittelteil der Säule zwischen Basis und Kapitell, oft kanneliert und nach oben leicht verjüngt.

Basis: Der Fuß der Säule, mit runden Wülsten und Kehlen, zwischen Schaft und Boden. Der griechischen dorischen Säule fehlt die Basis.

Apsis: Halbrunder, oft überwölbter Anbau ganz im Osten hinter dem Chor.

Triforium: Ein schmaler Laufgang oder eine Reihe kleiner Bögen in der Wand des Mittelschiffs, zwischen der Arkade unten und den Fenstern des Obergadens oben.

Obergaden: Der obere Teil der Mittelschiffwand, der über die Dächer der Seitenschiffe hinausreicht und Fenster hat. Lässt Licht direkt ins Mittelschiff fallen. Wird auch Lichtgaden genannt.

Fiale: Kleine Spitze, die einen Strebepfeiler krönt. Ihr Gewicht hilft dem Pfeiler, dem Seitenschub der Gewölbe standzuhalten.

Dachgaube: Aufbau mit eigenem kleinen Dach und Fenster in einem Dach, der dem Dachboden Licht gibt.

Fensterrahmung: Der Rahmen um ein Fenster in einer Fassade, oft mit einem kleinen Giebel oder einer Leiste darüber.

Balkon: Vorspringende Plattform mit Geländer vor einer Tür in einem Obergeschoss.

Portal: Der Haupteingang eines Gebäudes, wenn er als mehr als eine Tür hervorgehoben ist: mit Bogen, Rahmung oder Skulptur.

Sockel: Der unterste Teil einer Fassade, nahe am Boden, oft aus Stein und etwas vorspringend.