Ursprungsvölker und Kolonien
Lange bevor die Europäer kamen, gab es in Nordamerika reiche Kunsttraditionen; die Kolonisten brachten das Porträt und das Kunsthandwerk aus Europa mit.
Die Kunst im heutigen Gebiet der USA beginnt nicht mit den Kolonisten. Die indigenen Völker pflegten seit Jahrtausenden eigene Traditionen: Keramik und Webarbeiten im Südwesten, geschnitzte Masken und Totempfähle an der Nordwestküste, Perlenstickereien und bemalte Felle in den Prärien. Vieles davon waren Gebrauchsgegenstände und Zeremonialobjekte, die eher benutzt als ausgestellt werden sollten. Der Kunstbegriff im europäischen Sinn passt daher nur teilweise.
Im 16. und 17. Jahrhundert kamen englische, niederländische, französische, spanische und auch schwedische Kolonisten. Sie brachten ihre Handwerke mit: Tischlerei, Silberschmiedekunst und Hausbau. Malerei war anfangs selten. Gefragt waren Porträts, die oft von umherziehenden Malern, sogenannten Limners, gemalt wurden. Die Bilder sind flach und steif, zeigen aber, wie die Kolonisten gesehen werden wollten: als ehrbare und wohlhabende Menschen.
Im 18. Jahrhundert wurden die Kolonien wohlhabender, und die Porträtkunst wurde anspruchsvoller. John Singleton Copley malte in Boston Kaufleute und ihre Ehefrauen mit einem scharfen Realismus, der in den Kolonien ohne Vorbild war. Er und Benjamin West zogen schließlich nach London, wo sie erfolgreich wurden. Das zeigt, wie lange die amerikanischen Künstler in Ausbildung und Anerkennung von Europa abhängig waren.