Antwerpen und Bruegel
Antwerpen wurde im 16. Jahrhundert zur größten Handelsstadt Europas und zu einem Zentrum für Kunst, Druck und Bildteppiche. Hier und in Brüssel malte Pieter Bruegel der Ältere seine Bauern, Landschaften und Sprichwörter.
Als der Handel von Brügge abwanderte, wuchs Antwerpen zu einer Weltmetropole heran. An den Kais der Schelde wurden Gewürze aus Portugal, Silber aus Spanien und Textilien aus England gehandelt, und 1531 wurde eine Börse eröffnet, in der sich Kaufleute aus ganz Europa trafen. In der Stadt lebten Hunderte von Malern, die nicht nur auf Bestellung arbeiteten, sondern auch für einen offenen Markt.
Quinten Massys aus Löwen wurde um 1500 zum führenden Maler der Stadt und führte die Genauigkeit der Altniederländer in neuen Motiven wie Geldwechslern und Karikaturen weiter. Joachim Patinir machte die Landschaft zur Hauptsache des Bildes, und die Gruppe der Antwerpener Manieristen malte elegante, unruhige Figuren. Später reisten viele nach Rom und brachten die Formensprache Michelangelos und Raffaels mit; sie werden Romanisten genannt.
Pieter Bruegel der Ältere ging seinen eigenen Weg. Er wurde 1551 Meister in der Antwerpener Malergilde, reiste nach Italien und zeichnete anschließend Vorlagen für Kupferstiche für den Verleger Hieronymus Cock. Ab 1563 lebte er in Brüssel. Seine Gemälde von Bauern, Jahreszeiten, Sprichwörtern und biblischen Szenen in flämischen Dörfern vermittelten in einer Zeit religiöser Unruhe und Kriege ein neues Bild des Menschen und der Landschaft.