CoBrA, Expo 58 und Broodthaers
Nach dem Krieg suchten junge belgische Künstler nach einer freieren, spontanen Kunst. Christian Dotremont und Pierre Alechinsky gehörten zu CoBrA, die Weltausstellung von 1958 bescherte Brüssel das Atomium, und Marcel Broodthaers machte die Kunst zu einer Frage der Sprache und der Museen.
Unmittelbar nach der Befreiung sammelten sich junge Maler in der Gruppe Jeune Peinture Belge, die die abstrakte Kunst aus Paris aufgriff. Einige von ihnen suchten etwas Wilderes. 1948 gründete der Belgier Christian Dotremont gemeinsam mit dänischen und niederländischen Künstlern die Gruppe CoBrA, benannt nach Kopenhagen, Brüssel und Amsterdam. Sie wollten spontan malen wie Kinder und Volkskünstler und mischten Bild und Schrift. Pierre Alechinsky, der 1949 dazukam, wurde einer der bekanntesten Maler der Gruppe.
René Magritte malte weiter und wurde in den 1950er- und 60er-Jahren weltberühmt, nicht zuletzt in den USA. Seine Serie „Das Reich der Lichter“, in der eine Straße in nächtlichem Dunkel unter einem hellen Taghimmel liegt, wurde zu einem seiner bekanntesten Bilder. Paul Delvaux malte Bahnhöfe und nächtliche Frauen, und Pol Bury schuf Skulpturen, die sich so langsam bewegen, dass man es kaum sieht.
In den 1960er-Jahren wurden Antwerpen und Brüssel wichtige Orte der neuen internationalen Kunst. Die Galerie Wide White Space in Antwerpen zeigte Joseph Beuys, Marcel Broodthaers und den jungen Panamarenko, der Flugmaschinen baute, die nie abheben konnten. Broodthaers, der zunächst Dichter war, schuf Werke aus Muscheln, Eierschalen und Büchern und erfand ein eigenes fiktives Museum, das infrage stellte, was Kunst und Museen sind.