Romantik
Turner und Constable machten die Landschaft zur großen britischen Gattung, während William Blake eine ganz eigene Welt der Visionen schuf.
Um 1790 begann sich in Großbritannien eine neue Sicht auf die Kunst durchzusetzen. Gefühle, Fantasie und Naturerlebnisse wurden wichtiger als die Regeln der Antike und die Ordnung der Vernunft. Dichter wie William Wordsworth und Samuel Taylor Coleridge schrieben über die Natur und das einfache Leben. Die Maler zog es hinaus in die Landschaft, in die Berge von Wales und den Lake District und an die Küsten. Die Romantik war eine europäische Bewegung, doch in Großbritannien fand sie ihren stärksten Ausdruck in der Landschaftsmalerei.
Zwei Maler beherrschen die Epoche. John Constable malte seine Heimat Suffolk mit einem neuen Gefühl für Wetter, Licht und alltägliche Details. J. M. W. Turner reiste durch ganz Europa und malte Stürme, Sonnenuntergänge und Dampfschiffe in einer immer freieren Formensprache, in der Licht und Farbe alles Feste aufzulösen schienen. Daneben arbeitete William Blake, Dichter und Grafiker, der seine eigenen Mythen in Bild und Text schuf und zu Lebzeiten fast unbekannt war.
Das Aquarell wurde zu einer Spezialität britischer Künstler, mit Meistern wie Thomas Girtin und John Sell Cotman. Zugleich erhielt die Nation ihre ersten großen öffentlichen Kunstsammlungen: Die National Gallery wurde 1824 gegründet, und das British Museum erwarb die Parthenon-Skulpturen. In der Architektur lebte der Klassizismus fort, doch der gotische Stil erlebte mit dem neuen Parlamentsgebäude seinen Durchbruch. 1839 wurde die Fotografie vorgestellt, eine Erfindung, die den Blick auf Bilder für immer verändern sollte. Sie war auch für die Maler von großer Bedeutung.