Expressionismus, Bauhaus und Weimarer Zeit

Von den schreienden Farben der Brücke und den blauen Pferden des Blauen Reiters bis zu den Stahlrohrmöbeln des Bauhauses – in einem Vierteljahrhundert wurde Deutschland zum Mittelpunkt des modernen Kunstlebens.

1905 gründeten vier Architekturstudenten in Dresden die Künstlergruppe Die Brücke. Sie malten nackte Menschen in der Natur und die Straßen der Großstadt mit starken, ungemischten Farben und kantigen Formen. In München fanden sich Wassily Kandinsky, Franz Marc und Gabriele Münter im Blauen Reiter zusammen und suchten eine geistige Kunst in Farbe und Form. In Wien malten Egon Schiele und Oskar Kokoschka Menschen in Angst und Begehren. Man nannte das Expressionismus, Ausdruckskunst.

Der Erste Weltkrieg zerstörte vieles. Franz Marc und August Macke fielen, und viele andere kehrten an Körper und Seele verwundet heim. In Berlin antworteten die Dadaisten mit Collagen, Fotomontagen und Spott über die Werte des Krieges und des Bürgertums. In den 1920er-Jahren zeichneten Otto Dix und George Grosz ein kaltes und entlarvendes Bild von Kriegsinvaliden, Spekulanten und Prostituierten. Der neue Stil erhielt nach einer Ausstellung in Mannheim 1925 den Namen Neue Sachlichkeit. Die Kunst wurde schärfer, kälter und politischer.

1919 gründete der Architekt Walter Gropius das Bauhaus in Weimar, eine Schule, in der Kunst, Handwerk und Industrie vereint werden sollten. Zu den Lehrern gehörten Paul Klee und Kandinsky. Ab 1925 befand sich die Schule in Dessau in einem Gebäude aus Glas und Beton. Dort entstanden Stahlrohrmöbel, Leuchten und Textilien, die zu Vorbildern für modernes Design in der ganzen Welt wurden. Als die Nationalsozialisten 1933 die Macht ergriffen, wurde das Bauhaus geschlossen, und die Blütezeit der deutschen Moderne fand ein brutales Ende.