Die Gotik in Deutschland und Österreich

Hohe Kathedralen, Steinfiguren mit eigenen Gesichtern und geschnitzte Flügelaltäre in Gold – die Gotik machte die deutschen Städte zu den neuen Zentren der Kunst.

Die Gotik kam aus Frankreich und erreichte die deutschen Gebiete um 1230. Die Elisabethkirche in Marburg und die Liebfrauenkirche in Trier gehörten zu den ersten rein gotischen Kirchen. In Bamberg und Naumburg schufen unbekannte Steinmetzen Figuren von erstaunlicher Lebendigkeit. Der Bamberger Reiter und die Stifterfiguren in Naumburg haben die Nachwelt rätseln lassen, welche Menschen Modell standen, und gehören zu den bekanntesten Skulpturen des deutschen Mittelalters.

Im Jahr 1248 wurde der Kölner Dom nach französischem Vorbild begonnen. Fertig wurde er erst 1880. An der Ostseeküste entwickelte sich mit der Backsteingotik ein eigener Stil, für den die Marienkirche in Lübeck zum Vorbild wurde. Im Süden erhoben sich der Wiener Stephansdom und das Ulmer Münster. Die Städte wetteiferten um die höchsten Türme, und die Bürger finanzierten einen immer größeren Teil der Kirchenbauten. Es waren stolze Städte, die für Gott und für sich selbst bauten.

Im 15. Jahrhundert wurden die geschnitzten und bemalten Flügelaltäre zum Markenzeichen der deutschen Kunst. Stefan Lochner in Köln malte liebliche Madonnen vor Goldgrund. Michael Pacher in Tirol und Bernt Notke in Lübeck schufen gewaltige Werke aus Holz, in denen Skulptur und Malerei verschmolzen. Notkes „Sankt Georg und der Drache“ in der Storkyrkan in Stockholm zeigt, wie weit die deutsche Kunst ausstrahlte. Zur gleichen Zeit wurde in Mainz der Buchdruck erfunden, der bald die gesamte Bildkultur verändern sollte.