Das wiedervereinigte Deutschland und die Gegenwart

Nach dem Fall der Mauer wurde Berlin zum Magneten für Künstler aus aller Welt, und die Erinnerung an die Geschichte prägte Denkmäler, Museen und zeitgenössische Kunst gleichermaßen.

Als die Berliner Mauer im November 1989 fiel, öffnete sich eine Stadt voller leerer Häuser, Brachflächen und billiger Ateliers. Künstler aus aller Welt zogen dorthin. Galerien eröffneten in verlassenen Räumen in Ost-Berlin, und Clubs und Kunsträume entstanden in alten Fabriken. Christo und Jeanne-Claude verhüllten 1995 den Reichstag mit silbrigem Gewebe, und Millionen Menschen kamen, um ihn zu sehen. In den 1990er- und 2000er-Jahren wurde Berlin zu einer der wichtigsten Kunststädte der Welt.

Das wiedervereinigte Deutschland baute auch an seiner Erinnerung. Daniel Libeskinds Jüdisches Museum und Peter Eisenmans Denkmal für die ermordeten Juden Europas wurden zu neuen Wahrzeichen Berlins. Der Künstler Gunter Demnig begann, Stolpersteine zu verlegen, kleine Messingplatten im Straßenpflaster mit den Namen von Opfern des Nationalsozialismus vor ihrem letzten Wohnort. Zugleich wurden zerstörte Bauwerke wie die Frauenkirche in Dresden und das Stadtschloss in Berlin wiederaufgebaut, was eine Debatte darüber auslöste, wie man mit der Geschichte umgehen soll.

Deutsche und österreichische Künstler gehören heute zu den bekanntesten der Welt. Fotografen aus Düsseldorf wie Andreas Gursky und Thomas Struth schufen gewaltige, gestochen scharfe Bilder einer globalisierten Welt. Neo Rauch und die Neue Leipziger Schule hauchten der figurativen Malerei neues Leben ein. Wolfgang Tillmans, Hito Steyerl und Anne Imhof arbeiten mit Fotografie, Video und Performance. Zugleich werden die kolonialen Sammlungen der Museen diskutiert, und Objekte werden an die Länder zurückgegeben, aus denen sie einst genommen wurden.