Avantgarde und Pariser Schule

In Paris entstanden Fauvismus, Kubismus und Surrealismus, und die Stadt zog Künstler aus aller Welt an.

Auf dem Herbstsalon (Salon d'Automne) 1905 hängten Henri Matisse, André Derain und Maurice de Vlaminck Gemälde mit wilden, reinen Farben auf. Ein Kritiker nannte sie „fauves“, wilde Tiere. Zwei Jahre später malte Pablo Picasso „Les Demoiselles d'Avignon“, und gemeinsam mit Georges Braque schuf er den Kubismus, der die Gegenstände in Flächen und Blickwinkel zerlegte. Es waren die radikalsten Veränderungen der Malerei seit der Renaissance. Paris wurde zum Treffpunkt für Künstler aus Spanien, Russland, Italien, Rumänien und dem Norden.

Die Künstler lebten in Atelierhäusern auf dem Montmartre und später im Montparnasse. Amedeo Modigliani, Marc Chagall, Constantin Brâncuși und Chaïm Soutine zählen zu denen, die man gewöhnlich der Pariser Schule zurechnet. Der Erste Weltkrieg zerstörte die Gemeinschaft der ersten Generation. Nach dem Krieg kamen Dada und dann der Surrealismus, der unter Führung des Dichters André Breton die Bilder der Träume und des Unbewussten suchte. Gleichzeitig schufen Art déco und Le Corbusier eine neue, moderne Formenwelt.

In den 1930er-Jahren wurde die Kunst zunehmend politisch. Picasso malte 1937 in Paris „Guernica“ als Protest gegen die Bombardierung einer baskischen Stadt. Als Deutschland 1940 Frankreich besetzte, flohen viele Künstler, vor allem Juden und andere Verfolgte. Die Nationalsozialisten plünderten jüdische Kunstsammlungen, und manche Künstler wurden deportiert und ermordet. Andere blieben und arbeiteten im Stillen. Als Paris 1944 befreit wurde, war die Stadt noch immer die Hauptstadt der Kunst, doch ihre Stellung sollte bald von New York herausgefordert werden.