Romanik und Gotik in Frankreich

In Frankreich entstand die Gotik, und die Kathedralen wurden zu Vorbildern für ganz Europa.

Um das Jahr 1000 begann man, im gesamten heutigen Frankreich Kirchen aus Stein zu bauen. Das Kloster Cluny in Burgund stand an der Spitze eines Netzes von Hunderten von Klöstern. Entlang der Pilgerwege nach Santiago de Compostela entstanden große romanische Kirchen mit schweren Mauern, Rundbögen und Portalen voller Skulpturen. In Moissac, Vézelay und Autun zeigten Reliefs in den Tympana der Portale Christus als Richter oder als denjenigen, der die Apostel aussendet.

Um 1140 ließ Abt Suger den Chor der Klosterkirche Saint-Denis nördlich von Paris umbauen. Spitzbögen, Kreuzrippengewölbe und große Fenster erzeugten ein neues Licht. Das war der Beginn der Gotik. In den folgenden hundert Jahren entstanden Kathedralen in Paris, Chartres, Reims und Amiens. Der Stil wurde lange „opus francigenum“, das französische Werk, genannt und verbreitete sich nach England, Deutschland, Spanien und Skandinavien. Die Bauten wurden von Bischöfen, Königen und den Bürgern der Städte vorangetrieben, die alle die höchste und hellste Kirche haben wollten.

Im 14. und 15. Jahrhundert verlagerte sich der Schwerpunkt der Kunst von der Baustelle an die Höfe. Könige und Herzöge gaben illuminierte Handschriften, Goldschmiedearbeiten und große Wandteppiche in Auftrag. Die Brüder von Limburg malten für den Herzog von Berry das Stundenbuch „Très Riches Heures“. Gegen Ende der Epoche verband Jean Fouquet die französische Tradition mit Einflüssen aus Italien und Flandern, und das Mittelalter ging in die Renaissance über. Zugleich lebte der religiöse Bildgebrauch in den Kirchen des ganzen Landes weiter.