Romantik und Realismus

Die Romantik des Gefühls und der Realismus der Wirklichkeit forderten die Akademie heraus, und Paris wurde zur Welthauptstadt der Kunst.

Nach Napoleons Sturz suchte eine neue Künstlergeneration größere Freiheit. Théodore Géricault malte „Das Floß der Medusa“, die Schilderung Schiffbrüchiger in Not, und Eugène Delacroix machte Farbe und Bewegung zum Zentrum der Malerei. Die Romantiker wählten Motive aus der Gegenwart, aus dem Orient, aus der Literatur und aus den Kräften der Natur. Ihnen stand Ingres gegenüber, der die klassische Linie verteidigte. Der Streit zwischen Farbe und Zeichnung, Gefühl und Ordnung prägte den Salon über mehrere Jahrzehnte.

Um 1850 ging eine neue Bewegung noch weiter. Gustave Courbet wollte malen, was er mit eigenen Augen sah, ohne Idealisierung. Seine großen Leinwände mit Bauern, Steinklopfern und einem Begräbnis auf dem Land lösten Skandale aus. Jean-François Millet malte Landarbeiter in Barbizon, und Honoré Daumier schilderte in Lithografien den Alltag der Stadt und die Heuchelei der Politik. Der Realismus machte gewöhnliche Menschen zu würdigen Themen großer Kunst, was viele für hässlich und politisch gefährlich hielten.

Unter dem Zweiten Kaiserreich wurde Paris zu einer modernen Großstadt mit Boulevards, Parks und einem neuen Opernhaus umgebaut. Die Fotografie, die 1839 erfunden wurde, veränderte den Blick auf Bilder. Der Salon war weiterhin der wichtigste Weg zum Erfolg, doch es wurde immer schwieriger, dort zugelassen zu werden. Als die Jury 1863 Tausende von Werken ablehnte, ließ der Kaiser eine besondere Ausstellung einrichten, den Salon der Abgelehnten. Dort zeigte Édouard Manet „Das Frühstück im Grünen“ und öffnete den Weg zur modernen Malerei.