Zeitgenössische Kunst in Frankreich

Staatliche Großprojekte, private Stiftungen und neue Stimmen haben Frankreich zu einer der zentralen Bühnen der zeitgenössischen Kunst gemacht.

Als François Mitterrand 1981 Präsident wurde, erhielt die Kultur in der Politik ein neues Gewicht. Kulturminister Jack Lang verdoppelte das Budget, regionale Sammlungen zeitgenössischer Kunst wurden aufgebaut, und Paris erhielt eine Reihe monumentaler Neubauten. Die Glaspyramide am Louvre, das Musée d'Orsay und die Grande Arche in La Défense veränderten das Gesicht der Stadt. Die Kunst sollte Sache des Staates sein und das ganze Land erreichen. Zugleich lösten die Vorhaben Debatten aus, etwa als Daniel Burens gestreifte Säulen auf dem historischen Hof des Palais-Royal aufgestellt wurden.

Französische Künstler wie Christian Boltanski, Annette Messager und Sophie Calle arbeiteten mit Erinnerung, Identität und Erzählungen, oft mit Fotografien, Objekten und Text. In den 1990er-Jahren prägte der Kritiker Nicolas Bourriaud den Begriff der relationalen Ästhetik für Kunst, die Begegnungen zwischen Menschen schafft, und Pierre Huyghe, Philippe Parreno und Dominique Gonzalez-Foerster wurden international bekannt. Die Kunsthalle Palais de Tokyo, die 2002 eröffnete, wurde zu einer experimentellen Bühne für die neue Kunst.

Im 21. Jahrhundert haben private Sammler wie François Pinault und Bernard Arnault große Museen in Paris errichtet. Zugleich sind Fragen von Kolonialismus, Migration und Identität in den Mittelpunkt gerückt, und Frankreich hat begonnen, Kunstobjekte an afrikanische Länder zurückzugeben. Der Brand von Notre-Dame 2019 und die schnelle Restaurierung zeigten, wie viel das Kulturerbe bedeutet. Künstler mit Wurzeln in ehemaligen Kolonien wie Kader Attia und Zineb Sedira haben neue Perspektiven auf die Geschichte des Landes eröffnet.