Futurismus und Zwischenkriegszeit
Die Futuristen feierten Geschwindigkeit, Maschinen und Gewalt, während die Pittura metafisica in leeren Plätzen nach Rätseln suchte; beide mussten mit dem Faschismus leben.
Im Jahr 1909 veröffentlichte der Dichter Filippo Tommaso Marinetti das Manifest des Futurismus. Er wollte mit der Vergangenheit Italiens, mit den Museen, den Ruinen und den Touristen brechen und stattdessen das Moderne feiern: Autos, Flugzeuge, Großstädte und Geschwindigkeit. Maler wie Umberto Boccioni, Giacomo Balla, Carlo Carrà und Gino Severini versuchten, Bewegung und Energie auf der Leinwand darzustellen. Der Futurismus gehörte zu den ersten Avantgardebewegungen, die sich mit Manifesten, Auftritten und Provokationen verbreiteten, und beeinflusste Künstler in vielen Ländern. Die Bewegung umfasste auch Dichtung, Musik, Theater und Architektur.
Im Ersten Weltkrieg starben mehrere Futuristen, darunter Boccioni und der Architekt Antonio Sant'Elia. Zur selben Zeit schuf Giorgio de Chirico eine ganz andere Kunst: leere Plätze, lange Schatten, Statuen und Schneiderpuppen in einer stillen, traumartigen Stimmung. Sie wurde als Pittura metafisica bezeichnet und wurde zum Vorbild des Surrealismus. Giorgio Morandi malte in Bologna immer wieder Flaschen und Schalen, in einer stillen Kunst, die weit vom Lärm der Futuristen entfernt war. Seine Bilder besitzen eine Ruhe, die fast an Meditation erinnert.
Nach Mussolinis Machtübernahme 1922 geriet die Kunst unter den Einfluss des Faschismus. Die Gruppe Novecento suchte einen modernen Klassizismus, die Futuristen passten sich dem Regime an, und Architekten errichteten für den Staat sowohl streng modernistische als auch monumentale Bauten. Einige Künstler unterstützten das Regime, andere hielten sich fern, und manche gingen ins Exil. Die Rassengesetze von 1938 und der Krieg führten zu Verfolgung und Zerstörung. Als der Krieg 1945 endete, brauchten sowohl das Land als auch die Kunst einen Neubeginn.