Byzantinische und romanische Zeit
Glitzernde Mosaike in Ravenna und Venedig sowie schwere romanische Kirchen prägten das frühe Mittelalter in Italien.
Nach dem Fall Westroms wurde Italien unter vielen Herrschern aufgeteilt: Goten, byzantinischen Kaisern, Langobarden, fränkischen Königen, Päpsten und später Normannen. Das Land wurde im Mittelalter nie zu einer Einheit, lag aber mitten an der Kreuzung zwischen Ost und West. Deshalb trafen hier byzantinischer Goldglanz und nordeuropäischer romanischer Stil aufeinander. Der gemeinsame Nenner war die Kirche, die in fast allen Teilen des Landes der große Auftraggeber von Kunst war. Die Päpste in Rom waren zugleich geistliche Oberhäupter und weltliche Fürsten.
In Ravenna, das eine Zeit lang Hauptstadt sowohl der Goten als auch der Byzantiner war, finden sich die am besten erhaltenen Mosaike des 5. und 6. Jahrhunderts. Die Figuren stehen frontal vor goldenem Hintergrund, feierlich und zeitlos. Später griff Venedig diese Tradition in der Markusbasilika auf, und auf Sizilien ließen die normannischen Könige byzantinische Meister ihre Kirchen mit Gold überziehen. Das Mosaik wurde zu einer Bildkunst für die Ewigkeit, die im Kerzenlicht schimmerte. Die berühmtesten Mosaike befinden sich noch immer dort, wo sie einst angebracht wurden.
Ab etwa dem Jahr 1000 entstanden in den Städten, die durch den Handel immer reicher wurden, neue große Kirchen. In Pisa, Modena, Florenz und Mailand bildete sich ein romanischer Stil mit dicken Mauern, Rundbögen und skulptierten Portalen heraus. Jede Region entwickelte ihre eigene Variante, von marmorgestreiften Fassaden in der Toskana bis zu Backsteinkirchen in der Lombardei. Steinmetze begannen, ihre Werke zu signieren, und wir kennen zum ersten Mal die Namen einzelner Meister. Viele dieser Kirchen werden bis heute täglich genutzt.