Klassizismus und Romantik

Rom wurde zu einer Schule für ganz Europa, als die Antike ausgegraben wurde, Canova in Marmor meißelte und Italien darum kämpfte, eine Nation zu werden.

Um die Mitte des 18. Jahrhunderts wandte sich der Geschmack vom Überfluss des Barock und des Rokoko ab. Die Ausgrabungen in Herculaneum und Pompeji, Winckelmanns Schriften und die antiken Sammlungen in Rom weckten eine neue Sehnsucht nach der Einfachheit und dem Ernst der Antike. Rom wurde zum Treffpunkt für Künstler aus ganz Europa, auch aus Schweden. Dort studierten sie antike Statuen, zeichneten Ruinen und verkauften Porträts und Ansichten an wohlhabende Reisende auf ihrer Grand Tour.

Giovanni Battista Piranesi schuf Radierungen der römischen Ruinen, die sich über den ganzen Kontinent verbreiteten und das Bild der Stadt prägten. Pompeo Batoni malte Porträts junger Engländer zwischen antiken Säulen. Antonio Canova wurde der berühmteste Bildhauer Europas, mit Werken wie dem Liebespaar „Amor und Psyche“ und dem Porträt der Paolina Borghese. Sein weißer Marmor wurde zum Sinnbild des Klassizismus und seines Traums von zeitloser Schönheit. Rom war voller Ateliers, in denen Kopien und Originalwerke an Sammler verkauft wurden. Die Künstler arbeiteten Seite an Seite mit Restauratoren und Kunsthändlern.

Napoleons Feldzug von 1796 veränderte Italien. Kunstwerke wurden nach Paris gebracht, alte Staaten verschwanden, und neue Ideen von Freiheit und Nation verbreiteten sich. Nach 1815 wurden die alten Herrscher wieder eingesetzt, doch die Sehnsucht nach einem geeinten Italien lebte weiter. Die Romantik gab ihr Ausdruck. Francesco Hayez malte historische Szenen mit verborgenen politischen Botschaften, und die Kunst wurde Teil des Risorgimento, der nationalen Erhebung, die 1861 zum Königreich Italien führte. Die Kunst erhielt eine neue Rolle als Trägerin der Geschichte der Nation.