Gotik und Trecento
Giotto und die sienesischen Meister gaben der Malerei neue Körper, Gefühle und Räume, lange bevor die Renaissance ihren Namen erhielt.
Trecento bedeutet dreihundert und ist der italienische Name für das 14. Jahrhundert. Es war eine Zeit, in der die reichen Stadtrepubliken der Toskana gewaltige Kathedralen und Rathäuser errichteten. Die Gotik kam aus Frankreich, wurde in Italien aber anders, mit breiteren Räumen, mehr Wandfläche und kleineren Fenstern. Die großen Wände boten Platz für Fresken, und deshalb wurde die Malerei zur führenden Kunstgattung Italiens. Im Lauf des Jahrhunderts veränderte sie sich grundlegend. Zugleich wurden die Künstler als Persönlichkeiten bekannter.
In Florenz brach Giotto mit der byzantinischen Tradition und malte Menschen, die Gewicht, Gefühle und Körper unter ihren Gewändern zu haben scheinen. Seine Fresken in der Scrovegni-Kapelle in Padua gelten als Wendepunkt der westlichen Kunst. Zur gleichen Zeit entwickelten die Maler in Siena, mit Duccio, Simone Martini und den Brüdern Lorenzetti, einen eleganteren Stil mit Gold, klaren Farben und feinen Linien. Die beiden Städte wurden zu Konkurrenten und zu Vorbildern für das übrige Italien. Giottos Erzählweise richtete sich auf das Menschliche und veränderte die Vorstellung davon, was ein Bild leisten konnte.
Die Bildhauer Nicola und Giovanni Pisano ließen sich von antiken Sarkophagen und der französischen Gotik anregen und verliehen den Kanzeln neues Leben. Gegen Mitte des Jahrhunderts wurde Italien 1348 vom Schwarzen Tod heimgesucht, der einen großen Teil der Stadtbevölkerung dahinraffte. Die Kunst wurde für eine Zeit lang ernster und stärker auf Tod und Buße ausgerichtet. Dennoch legte das Trecento den Grund für alles, was noch kommen sollte, und die Künstler der Renaissance sahen in Giotto ihren Vorgänger. Sein Name war schon zu seinen Lebzeiten ein Begriff.