De Stijl und Surrealismus

In Holland schuf De Stijl eine Kunst aus geraden Linien und reinen Farben, während belgische Surrealisten die Wirklichkeit zum Rätsel werden ließen.

Der Erste Weltkrieg trennte die beiden Länder. Belgien wurde besetzt und zum Schlachtfeld, während die Niederlande neutral blieben. Im abgeschiedenen Holland gründeten Theo van Doesburg und Piet Mondrian 1917 die Zeitschrift „De Stijl“. Die Gruppe wollte eine universelle Kunst aus geraden Linien, rechten Winkeln und den drei Grundfarben Rot, Gelb und Blau schaffen, dazu Schwarz, Weiß und Grau. Die Ideen galten nicht nur der Malerei, sondern auch der Architektur, den Möbeln und der Typografie. Das Ziel war eine neue, harmonische Lebensumwelt.

Gleichzeitig bauten Architekten in Amsterdam Wohnhäuser in der expressiven Amsterdamer Schule, mit geschwungenen Backsteinfassaden, und in Rotterdam in einem sachlichen Funktionalismus. In Belgien entstand ein flämischer Expressionismus mit schweren, erdverbundenen Bildern von Bauern und Landschaften. In Antwerpen und Brüssel erprobten einige Künstler eine abstrakte Kunst nahe De Stijl. In der Zwischenkriegszeit waren beide Länder wichtige Orte der europäischen Avantgardekunst. M. C. Escher begann in dieser Zeit, seine rätselhaften Grafiken mit unmöglichen Räumen und ineinandergreifenden Mustern zu schaffen.

Ab Mitte der 1920er-Jahre wurde Brüssel zu einem Zentrum des Surrealismus. René Magritte malte alltägliche Dinge in unmöglichen Zusammenhängen, in einer trockenen und präzisen Technik, und stellte Fragen nach Bildern, Wörtern und Wirklichkeit. Paul Delvaux malte traumartige Szenen mit nackten Frauen und Zügen. Der Zweite Weltkrieg unterbrach diese Entwicklung. Beide Länder wurden 1940 besetzt, und Mondrian, der nach New York geflohen war, starb dort 1944, nur wenige Monate vor der Befreiung Belgiens. Der Krieg beendete die Epoche.