Goldenes Zeitalter und flämischer Barock

Im Norden malten Rembrandt, Hals und Vermeer für die Häuser der Bürger, im Süden füllte Rubens Kirchen und Paläste mit der Kraft des Barock.

Nach dem Fall Antwerpens 1585 teilten sich die Niederlande in zwei Kunstwelten. Im Süden, den Spanischen Niederlanden, wurde die Kunst Teil der katholischen Gegenreformation. Die Kirchen sollten nach dem Bildersturm mit neuen Altarbildern gefüllt werden, und die Fürsten wollten prachtvolle Paläste. Peter Paul Rubens wurde in Antwerpen zum großen Meister des Barock, mit Schülern und Mitarbeitern wie Anthonis van Dyck und Jacob Jordaens. Seine dramatische und sinnliche Malerei verbreitete sich in ganz Europa. Antwerpen wurde wieder zu einer Kunststadt von europäischer Bedeutung.

Im Norden wuchs die Republik der Vereinigten Niederlande zu einer Weltmacht in Handel und Seefahrt heran. Der Calvinismus gab den Kirchen weiße, bilderlose Wände, und die Kunst zog stattdessen in die Häuser der Bürger ein. Dort wünschte man sich Porträts, Landschaften, Stillleben, Interieurs und Szenen aus dem Alltag. Tausende von Malern produzierten für einen offenen Markt. Die Epoche wird das Goldene Zeitalter der Niederlande genannt und brachte der Welt Rembrandt, Frans Hals, Johannes Vermeer und Hunderte weiterer Meister. Nie zuvor war in einem so kleinen Land so viel Kunst entstanden.

Die Kunst im Norden war oft klein, still und beobachtend. Sie zeigte die Welt der neuen Gesellschaft: Kanäle, Schiffe, Kühe auf der Wiese, aufgeräumte Küchen, gut gekleidete Kaufleute und tugendhafte Hausfrauen. Hinter der Oberfläche lagen jedoch oft moralische Botschaften über Eitelkeit und Tugend. Gegen Ende des Jahrhunderts wandelte sich der Geschmack hin zum Eleganteren und Französischen. Kriege gegen Frankreich und England und harte Konkurrenz schwächten nach 1672 sowohl die Republik als auch den Kunstmarkt. Der französische Einfluss sollte das folgende Jahrhundert prägen.