Romantik, Nationen und Haager Schule
Zwei neue Nationen, die Niederlande und Belgien, suchten ihre Geschichte in der Kunst, und in Den Haag malte eine Gruppe von Künstlern das graue holländische Licht.
Im 19. Jahrhundert erhielten die Niederlande und Belgien ihre modernen Formen. Nach der Napoleonzeit entstand ein gemeinsames Königreich, doch 1830 erhob sich der Süden und wurde zum unabhängigen Belgien. Beide Länder nutzten die Kunst, um eine nationale Identität aufzubauen. Museen wurden gegründet, alte Meister gefeiert, und Historienmaler schilderten die Helden der Vergangenheit. Rembrandt und Rubens wurden zu Nationalsymbolen, und ihre Standbilder wurden auf den Plätzen von Amsterdam und Antwerpen errichtet. Kunst wurde zu einer Angelegenheit des Staates und des gebildeten Publikums.
In Belgien gewann die romantische Historienmalerei besondere Bedeutung. Gustaf Wappers, Nicaise de Keyser und Louis Gallait malten große, dramatische Bilder von Freiheitskämpfen und mittelalterlichen Siegen. In den Niederlanden herrschte lange eine zurückhaltende Malerei mit detailreichen Landschaften und Winterbildern im Geist des Goldenen Zeitalters vor. Nach der Jahrhundertmitte setzte sich in beiden Ländern der Realismus durch. Die Künstler begannen, gewöhnliche Menschen, Arbeit und Natur so zu malen, wie sie waren, ohne Idealisierung. Es war eine Kunst, die wahr sein wollte statt schön.
Die wichtigste Bewegung in den Niederlanden war die Haager Schule, die in den 1860er- und 1870er-Jahren entstand. Künstler wie Jozef Israëls, die Brüder Maris, Anton Mauve und Hendrik Willem Mesdag malten Fischer, Kühe auf Wiesen, Dünen und das Meer bei Scheveningen. Sie ließen sich von den französischen Barbizon-Malern anregen, doch ihre grauen und silbrigen Töne waren typisch holländisch. Die Haager Schule wurde bei Sammlern in Großbritannien, Kanada und den USA sehr beliebt. Die Bilder der Maler galten als Inbegriff Hollands.