Klassizismus und Biedermeier
Unter Joseph II. und in den Napoleonischen Kriegen hielt der Klassizismus in Wien Einzug. Nach dem Wiener Kongress zog sich das Bürgertum ins Heim zurück, und Maler wie Ferdinand Georg Waldmüller und Friedrich von Amerling schilderten dies in klarem Licht.
Kaiser Joseph II., der von 1780 bis 1790 allein regierte, wollte den Staat im Geist der Aufklärung erneuern. Er schloss Hunderte von Klöstern, die sich nicht Schule oder Krankenpflege widmeten, und verkaufte deren Kunstschätze. Die Architektur wurde schlichter und klassisch, und die Wiener Akademie unter Heinrich Friedrich Füger lehrte eine Malerei nach antiken Vorbildern. Antonio Canova schuf das Grabmal der Erzherzogin Maria Christina in der Augustinerkirche.
Nach den Napoleonischen Kriegen und dem Wiener Kongress 1814–1815 folgte eine lange Friedenszeit, aber auch eine Zeit der Zensur und der Polizeiüberwachung unter Kanzler Metternich. Das Bürgertum richtete sein Interesse auf Familie, Heim, Musik und Natur. Diese Zeit und ihr Stil heißen Biedermeier, nach einer satirischen Figur, die später erfunden wurde. Möbel, Porzellan und Glas erhielten einfache, helle und praktische Formen.
Die Malerei wurde intim und genau. Ferdinand Georg Waldmüller malte Porträts, Bauernszenen und Alpenlandschaften in scharfem Sonnenlicht, Friedrich von Amerling elegante Bildnisse der Wiener Oberschicht und Josef Danhauser Genrebilder und Augenblicke im Salon. Rudolf von Alt schilderte die Stadt und die Landschaft in Aquarell fast während des gesamten 19. Jahrhunderts. In Wien gründeten junge Künstler 1809 den Lukasbund, der nach Rom übersiedelte und als Nazarener bekannt wurde.