Schiele, Kokoschka und die Zwischenkriegszeit
Um 1910 wandten sich die jungen Wiener gegen Klimts Gold. Egon Schiele und Oskar Kokoschka malten nackte, unruhige Körper und Seelen. Nach dem Krieg wurde Wien eine sozialdemokratische Stadt mit großen Wohnbauprojekten, bis der Nationalsozialismus dem 1938 ein Ende setzte.
Die Kunstschau von 1908 wurde zum Durchbruch der Jüngsten. Oskar Kokoschka, damals zweiundzwanzig, zeigte seine farbstarken Illustrationen und schrieb bald Theaterstücke und malte Porträts, die das Innere des Menschen zeigen sollten. Egon Schiele, den Klimt gefördert hatte, entwickelte einen zeichnerischen Stil mit mageren, eckigen Körpern und Selbstbildnissen, in denen er sich in Schmerz oder Ekstase windet. Richard Gerstl malte wilde, lockere Porträts, bevor er sich im selben Jahr das Leben nahm.
Der Erste Weltkrieg und sein Ende veränderten alles. Im Jahr 1918 starben Klimt, Otto Wagner, Koloman Moser und Egon Schiele. Die Monarchie fiel, und Österreich wurde zu einer kleinen Republik. Albin Egger-Lienz malte Soldaten als gesichtslose Masse, und nach dem Krieg suchten Maler wie Herbert Boeckl und Anton Kolig einen schweren, farbkräftigen Expressionismus, während andere die Neue Sachlichkeit aufgriffen.
In Wien regierten ab 1919 die Sozialdemokraten, und das Rote Wien errichtete rund sechzigtausend Wohnungen in großen Hofanlagen wie dem Karl-Marx-Hof. An der Kunstgewerbeschule entwickelten Schüler von Franz Cižek eine eigene abstrakte Kunst, den Kinetismus, und Otto Neurath und Gerd Arntz schufen die Bildsprache Isotype. Nach dem Bürgerkrieg von 1934 wurde das Land zur Diktatur, und als Deutschland Österreich 1938 annektierte, wurden jüdische und moderne Künstler verfolgt, und viele mussten ins Exil gehen.