Gotik und Michael Pacher

Unter den Habsburgern erhielt Wien eine gotische Kathedrale und eine Universität. In den Alpentälern wurden große Flügelaltäre geschnitzt, und Michael Pacher verband im Altar von St. Wolfgang nördliche Holzskulptur mit italienischer Perspektive.

Herzog Rudolf IV., genannt der Stifter, wollte Wien zu einer Hauptstadt im Rang Prags machen. Er ließ 1359 mit dem Bau des neuen gotischen Langhauses des Stephansdoms beginnen und gründete 1365 die Universität. Sein um 1360 gemaltes Porträt gilt als eines der ältesten eigenständigen Bildnisse in Europa seit der Antike. Der 136 Meter hohe Südturm des Doms wurde 1433 vollendet und zum Wahrzeichen der Stadt.

Um 1400 verbreitete sich der Weiche Stil, auch Internationale Gotik genannt, mit lieblich lächelnden Madonnen in tiefen, wallenden Mänteln. Im 15. Jahrhundert wurde die Kunst realistischer. Conrad Laib malte 1449 in Salzburg eine Kreuzigung voller Reiter und Zuschauer, und der anonyme Schottenmeister stellte biblische Ereignisse vor die ältesten bekannten Ansichten der Wiener Straßen.

Die eigenständigste Kunstform war der Flügelaltar, bei dem geschnitzte und bemalte Figuren in einem Schrein mit Türen vereint waren, die sich öffnen und schließen ließen. Michael Pacher aus Bruneck in Tirol schuf den bekanntesten von ihnen für St. Wolfgang im Salzkammergut, vollendet 1481. Er hatte die italienische Malerei studiert und ließ die Räume seiner Gemälde tief ins Bild hineinreichen, während die vergoldeten Figuren im Schrein sich in einem goldenen Licht zu bewegen scheinen.