Ringstraße und Makart
Als die Stadtmauern fielen, erhielt Wien eine neue Prachtstraße, die Ringstraße, gesäumt von Oper, Parlament, Rathaus und Museen in geborgten Stilen. Hans Makart wurde zum Künstlerfürsten der Stadt, und die Landschaftsmaler suchten Stimmung und Licht.
Der junge Kaiser Franz Joseph beschloss 1857, die Befestigungen Wiens abzureißen. Auf dem frei gewordenen Boden wurde die Ringstraße angelegt, ein Boulevard rund um die Innenstadt, an dem im Lauf von vier Jahrzehnten die wichtigsten Bauten der Stadt entstanden. Jedes Gebäude erhielt einen Stil, der zu seiner Aufgabe passte: Gotik für Rathaus und Votivkirche, griechische Antike für das Parlament, Renaissance für Universität, Oper und Museen.
Hans Makart kam 1869 nach Wien und erhielt vom Staat ein Atelier. Seine riesigen, farbenprächtigen Gemälde mit nackten Körpern, Samt und Blumen machten ihn zum meistbewunderten Künstler seiner Zeit, und sein mit Draperien, Waffen und getrockneten Sträußen gefülltes Atelier wurde zur Sehenswürdigkeit. 1879 inszenierte er den Festzug zur Silberhochzeit des Kaiserpaares, bei dem Tausende Teilnehmer in historischen Kostümen über die Ringstraße zogen.
Neben der großen Historienmalerei entwickelte sich eine stillere Landschaftsmalerei. Emil Jakob Schindler, Tina Blau und Olga Wisinger-Florian malten stimmungsvolle Bilder von Licht, Wetter und Jahreszeiten, den sogenannten Stimmungsimpressionismus. Anton Romako ging mit nervösen, überraschenden Porträts seinen eigenen Weg. Gegen Ende der Epoche waren junge Künstler der geborgten Formen des Historismus überdrüssig und suchten den Stil ihrer eigenen Zeit.