Klöster und Fürsten
Die Kunst Österreichs beginnt in den Klöstern entlang der Donau und im Salzburg der Erzbischöfe. Unter den Babenbergern wurde Wien zur Residenzstadt, und in Klosterneuburg schuf Nikolaus von Verdun eine der meistbewunderten Goldschmiedearbeiten des Mittelalters.
Das heutige Österreich war im frühen Mittelalter ein Grenzland im Osten, zwischen Bayern, Slawen und Ungarn. Das Christentum breitete sich von Salzburg und von Klöstern wie Kremsmünster aus, das 777 vom bayerischen Herzog Tassilo III. gegründet wurde. Der Tassilokelch, den der Herzog dem Kloster schenkte, gehört zu den ältesten erhaltenen Kunstwerken der Region. In Salzburg entstanden prachtvolle Handschriften, und die Erzbischöfe waren mächtige Fürsten.
Ab 976 wurde die Ostmark, die östliche Grenzmark, vom Geschlecht der Babenberger regiert, und 1156 wurde Österreich zum Herzogtum erhoben. Die Babenberger gründeten Klöster wie Klosterneuburg und Heiligenkreuz und machten Wien zu ihrer Residenz. Es entstanden romanische Kirchen mit mächtigen Mauern und tiefen Portalen, und der Dom in Gurk in Kärnten erhielt eine Krypta mit hundert Säulen. Auf seiner Westempore wurden um 1260 Wandmalereien in dem scharfen, eckigen Stil ausgeführt, der als Zackenstil bezeichnet wird.
Den Höhepunkt bildete der Verduner Altar in Klosterneuburg, den der Goldschmied Nikolaus von Verdun aus dem Maasgebiet 1181 vollendete. Seine Emailplatten zeigen biblische Szenen mit einer Bewegtheit und klassischen Schwere, die auf die Gotik vorausweisen. Nach dem Aussterben der Babenberger 1246 kämpften der böhmische König Ottokar II. und Rudolf von Habsburg um das Land, und 1278 siegten die Habsburger, die Österreich 640 Jahre lang regieren sollten.