Die Gegenwartskunst
Seit den 1980er-Jahren ist Österreich Teil der internationalen Kunstwelt geworden, mit neuen Museen in Wien und Graz. Maria Lassnig, Franz West und Erwin Wurm haben der österreichischen Kunst neue Gesichter gegeben, und die Frage nach der in der NS-Zeit geraubten Kunst hat die Museen verändert.
In den 1980er-Jahren kehrte die Malerei mit den Jungen Wilden zurück, wie Siegfried Anzinger und Hubert Schmalix, und Maria Lassnig, die jahrzehntelang in Paris und New York gearbeitet hatte, wurde Professorin in Wien. Ihre Körperbewusstseinsbilder, in denen sie malt, wie sich der Körper anfühlt, statt wie er aussieht, machten sie zum Vorbild für jüngere Künstler. Franz West schuf Skulpturen, die die Betrachter tragen oder auf denen sie sitzen sollten.
Erwin Wurm wurde international bekannt durch seine „One Minute Sculptures“, bei denen Menschen durch absurde Posen mit Alltagsgegenständen für eine Minute selbst zu Skulpturen werden. Künstler wie Heimo Zobernig, Brigitte Kowanz, Elke Silvia Krystufek und die Gruppe Gelatin haben mit Installation, Licht, Video und Performance gearbeitet. In der Architektur erlangte Coop Himmelb(l)au mit dem Dekonstruktivismus internationale Bekanntheit.
Zugleich wurde die Auseinandersetzung mit der NS-Zeit zu einer zentralen Frage. Die Debatte über die Vergangenheit von Bundespräsident Kurt Waldheim 1986 öffnete die Frage nach Österreichs Mitverantwortung, und nachdem Schieles „Bildnis Wally“ 1998 in New York beschlagnahmt worden war, wurde ein Gesetz zur Rückgabe geraubter Kunst verabschiedet. Klimts Bildnis der Adele Bloch-Bauer wurde 2006 an die Erben der Familie zurückgegeben. Rachel Whitereads Mahnmal auf dem Judenplatz in Wien wurde 2000 eingeweiht.