Russische Gegenwartskunst
Nach dem Fall der Sowjetunion öffneten sich die Grenzen, und eine neue Kunstszene entstand, mit provozierender Aktionskunst, privaten Museen und Biennalen. Seit den 2010er-Jahren ist der Spielraum geschrumpft, und viele Künstler arbeiten heute außerhalb Russlands.
Im Chaos der 1990er-Jahre wurde die Kunst oft körperlich und provokant. Der Moskauer Aktionismus mit Künstlern wie Oleg Kulik, Anatoli Osmolowski und Alexander Brener setzte den eigenen Körper in öffentlichen Aktionen ein, um eine Gesellschaft im Schockzustand zu spiegeln. Gleichzeitig erlangten die älteren Konzeptkünstler wie Ilja und Emilia Kabakow internationalen Ruhm.
In den 2000er-Jahren wurde mit privatem Geld eine Kunstinfrastruktur aufgebaut. Die Moskauer Biennale startete 2005, das Zentrum Garage öffnete 2008 und erhielt 2015 ein Gebäude von Rem Koolhaas im Gorki-Park, und die Manifesta fand 2014 in der Eremitage statt. Die Gruppe AES+F erregte mit großen Videoarbeiten auf der Biennale von Venedig Aufmerksamkeit.
Zugleich wuchs der Druck auf kritische Kunst. Die Ausstellung „Vorsicht, Religion!“ wurde 2003 zerstört, und die Veranstalter wurden verurteilt. Das Punk-Gebet der Gruppe Pussy Riot in der Erlöserkathedrale 2012 führte zu Haftstrafen, und die Aktionen von Pjotr Pawlenski führten zu Prozessen. Nach dem Einmarsch in die Ukraine 2022 verließen viele Künstler das Land, und diejenigen, die Russland in Venedig hätten vertreten sollen, zogen sich zurück.