Romantik, Historienmalerei und Realismus

Ein unruhiges Jahrhundert, in dem die Maler die Geschichte der Nation auf riesige Leinwände bannten und das Ausland das „romantische Spanien“ entdeckte.

Nach Goyas Tod 1828 trat Spanien in ein Jahrhundert der Bürgerkriege, Revolutionen und Regimewechsel ein. Das Kunstleben konzentrierte sich auf Madrid, die Akademie und die nationalen Ausstellungen, die seit 1856 stattfanden. Die romantische Generation malte Porträts von Bürgern und Schriftstellern, Volksszenen und dramatische Landschaften. Gleichzeitig bereisten französische und britische Schriftsteller und Maler das Land und schufen das Bild eines exotischen Spaniens mit Stierkämpfern, Zigeunern und maurischen Palästen.

Um die Jahrhundertmitte wurde die Historienmalerei zur angesehensten Gattung. Große Leinwände mit Szenen aus Spaniens Vergangenheit, etwa Königin Isabella auf dem Sterbebett oder Johanna die Wahnsinnige am Sarg ihres Mannes, wurden auf den Ausstellungen gepriesen und vom Staat angekauft. Sie sollten der jungen liberalen Nation eine gemeinsame Geschichte geben. Eduardo Rosales und Francisco Pradilla zählen zu den bedeutendsten Vertretern der Gattung. Ihre Werke befinden sich heute im Prado. Viele davon wurden auf den Ausstellungen einem großen Publikum gezeigt.

Gegen Ende der Periode entwickelte sich ein neuer Realismus. Landschaftsmaler wie Carlos de Haes begannen, unmittelbar in der Natur zu malen. Mariano Fortuny aus Katalonien wurde mit kleinen, glitzernden Genrebildern und orientalischen Motiven, die über einen Pariser Kunsthändler verkauft wurden, international berühmt. Das Prado-Museum, das 1819 eröffnet worden war, ging 1868 in den Besitz der Nation über. Als Barcelona 1888 die Weltausstellung ausrichtete, stand ein neues, modernes Spanien bereit, auf die Bühne zu treten. Damit begann eine neue Epoche.