Die Franco-Zeit und die informelle Malerei
Unter einer Diktatur schufen junge Künstler eine Malerei aus Sackleinen, Sand und Schwärze, die zur Stimme Spaniens in der Welt wurde.
Nach dem Bürgerkrieg regierte General Francisco Franco Spanien fast vierzig Jahre lang als Diktator. Die ersten Jahre waren von Armut, Unterdrückung und Zensur geprägt. Viele der besten Künstler und Intellektuellen des Landes lebten im Exil, in Mexiko, Argentinien oder Frankreich. Die offizielle Kunst war traditionell und katholisch, und der Staat errichtete Denkmäler für den Sieg im Krieg. Picasso weigerte sich zurückzukehren, solange Franco lebte, während Dalí und Miró sich wieder in Spanien niederließen. Die Kultur wurde zu einem Feld sowohl der Macht als auch des Widerstands.
Um 1950 begann eine neue Generation, die Isolation zu durchbrechen. In Barcelona gründeten Antoni Tàpies und seine Freunde die Gruppe Dau al Set, und in Madrid wurde 1957 die Gruppe El Paso gegründet, mit Antonio Saura und Manolo Millares. Sie malten abstrakt, mit dicker Materie, Sand, Sackleinen und schwarzer Farbe. Diese Kunst wird Informalismus genannt. Sie war eng verwandt mit der französischen informellen Kunst und dem amerikanischen Abstrakten Expressionismus, trug aber auch Erinnerungen an Goya, den Krieg und die spanische Erde in sich.
Paradoxerweise nutzte das Regime die abstrakte Kunst, um im Ausland ein modernes Bild Spaniens zu zeigen. Bei der Biennale von Venedig 1958 erhielt Eduardo Chillida den Skulpturenpreis, und 1960 zeigte das Museum of Modern Art in New York neue spanische Kunst. Gleichzeitig kritisierten viele der Künstler die Diktatur. In den 1960er-Jahren wuchsen Tourismus und Wirtschaft, und eine neue Pop-Art und ein neuer Realismus nahmen Gestalt an. Als Franco 1975 starb, stand eine lebendige und eigenständige Kunstwelt bereit.