Römisches Hispanien und die Westgoten

Aquädukte, Theater und Goldkronen – als die Iberische Halbinsel ein Teil Roms und dann ein westgotisches Königreich wurde.

218 v. Chr. landeten römische Truppen in Emporion. Rom brauchte fast zweihundert Jahre, um die gesamte Halbinsel zu erobern, doch das Ergebnis war eine der reichsten Regionen des Reiches. Die Römer nannten sie Hispania. Sie bauten Städte mit Foren, Tempeln, Theatern und Bädern und verbanden das Land durch Straßen und Brücken. Das Aquädukt von Segovia und das Theater von Mérida stehen noch heute und gehören zu den am besten erhaltenen römischen Bauwerken in ganz Europa.

Hispania brachte Rom auch Menschen. Der Philosoph Seneca stammte aus Córdoba, und Kaiser Trajan wurde in Italica bei Sevilla geboren. Im Jahr 98 wurde er der erste Kaiser, der außerhalb Italiens geboren war. Reiche Familien in den Provinzen ließen Mosaikböden in ihren Villen verlegen und bestellten Porträts und Grabmonumente aus Marmor. Das Christentum erreichte die Halbinsel früh, und im 4. Jahrhundert entstand in Sarkophagen, Mosaiken und kleinen Kirchen eine christliche Bilderwelt.

Als das Weströmische Reich im 5. Jahrhundert fiel, übernahmen germanische Völker die Macht. Die Westgoten gründeten ein Königreich mit der Hauptstadt Toledo. Ihre Kunst ist vor allem durch einige kleine Steinkirchen und durch Goldkronen mit Edelsteinen bekannt, die die Könige der Kirche stifteten. Der Hufeisenbogen, der später zu einem Kennzeichen der islamischen Architektur in Spanien wurde, wurde schon von ihnen verwendet. Die Epoche endete im Jahr 711, als ein arabisch-berberisches Heer die Straße von Gibraltar überquerte.