Marina Abramović

Die Grande Dame der Performancekunst.
Marina Abramović nutzt seit über fünfzig Jahren ihren eigenen Körper als Material und lotet die Grenzen von Ausdauer und Präsenz aus.
Marina Abramović wurde 1946 in Belgrad im damaligen Jugoslawien geboren. Beide Eltern waren im Zweiten Weltkrieg Partisanen gewesen und hatten danach hohe Positionen im kommunistischen Staat inne. Das Elternhaus war streng, und sie hat eine von Disziplin geprägte Kindheit beschrieben. Sie studierte an der Kunstakademie in Belgrad und danach in Zagreb, begann als Malerin, wandte sich aber bald der Performance zu.
In der Serie „Rhythm“ Anfang der 1970er-Jahre setzte sie ihren eigenen Körper als Material ein. Am bekanntesten ist „Rhythm 0“ in Neapel 1974. Sechs Stunden lang stand sie reglos da und ließ das Publikum 72 Gegenstände an ihr verwenden, von einer Rose bis zu einer geladenen Pistole. Das Publikum wurde zunehmend aggressiv, und das Werk wurde zu einem beängstigenden Experiment über menschliches Verhalten.
Mitte der 1970er-Jahre traf sie in Amsterdam den deutschen Künstler Ulay, Frank Uwe Laysiepen. Sie wurden ein Paar und arbeiteten zwölf Jahre lang zusammen. In „Imponderabilia“ von 1977 standen sie nackt in einer schmalen Türöffnung, durch die sich das Publikum hindurchzwängen musste. In „Rest Energy“ von 1980 hielten sie zwischen sich einen gespannten Bogen, dessen Pfeil auf ihr Herz gerichtet war. Die Zusammenarbeit endete 1988, als sie von je einem Ende der Chinesischen Mauer aufeinander zugingen und sich in der Mitte trafen, um Abschied zu nehmen.
1997 erhielt sie in Venedig einen Goldenen Löwen für „Balkan Baroque“, in dem sie einen Haufen blutiger Knochen schrubbte, als Reaktion auf die Kriege im ehemaligen Jugoslawien. Ihr größter Publikumserfolg war „The Artist Is Present“ im Museum of Modern Art in New York 2010. Fast drei Monate lang saß sie schweigend an einem Tisch und erwiderte den Blick von über tausend Besuchern, einem nach dem anderen.
Abramović hat ein Institut gegründet, um Performancekunst zu bewahren und zu lehren. Die Retrospektive „The Cleaner“ startete 2017 im Moderna Museet in Stockholm, und 2023 erhielt sie als erste Frau eine große Einzelausstellung in den Haupträumen der Royal Academy in London. Sie hat die Performance zu einer etablierten Kunstform in den Museen gemacht, doch ihre Werke lösen auch Debatten über Grenzen, Risiko und Inszenierung aus.