Anni Albers
Die große Textilkünstlerin des Bauhauses.
Anni Albers studierte in der Weberei des Bauhauses und machte das Weben zu moderner Kunst. Sie war mit Josef Albers verheiratet.
Anni Albers wurde 1899 als Annelise Fleischmann in Berlin in eine wohlhabende jüdische Familie geboren. Sie studierte Kunst, fand den Unterricht aber unzureichend und begann 1922 am Bauhaus in Weimar. Dort wurden Frauen in der Regel in die Weberei verwiesen. Zunächst war sie unzufrieden, doch der Webstuhl wurde ihr lebenslanges Arbeitsgerät.
1925 heiratete sie den Künstler und Lehrer Josef Albers. Am Bauhaus experimentierte sie mit neuen Materialien und mit der Struktur des Gewebes. Ihre Abschlussarbeit 1930 war eine Wandbespannung für eine Gewerkschaftsschule in Bernau, gewebt aus Baumwolle und Cellophan, die Schall dämpfte und Licht reflektierte. Kurze Zeit leitete sie die Weberei.
Als die Nationalsozialisten 1933 die Macht übernahmen, zog das Paar in die USA, wo beide am Black Mountain College in North Carolina unterrichteten, einer experimentellen Schule, die für die amerikanische Nachkriegskunst wichtig wurde. Von dort unternahmen sie Reisen nach Mexiko und Peru, und die präkolumbischen Textilien wurden für sie von großer Bedeutung. 1949 war sie die erste Textilkünstlerin mit einer Einzelausstellung im Museum of Modern Art in New York.
Ihre Gewebe sind geometrisch und abstrakt, lassen aber Fäden und Strukturen sprechen. Sie schuf sowohl Textilien für die industrielle Produktion als auch Bildgewebe, die sie „pictorial weavings“ nannte. Das Werk „Six Prayers“ (Sechs Gebete) von 1965–67 ist ein Gedenkgewebe für die Opfer des Holocaust und befindet sich im Jewish Museum in New York. Sie schrieb die einflussreichen Bücher „On Designing“ und „On Weaving“ und widmete sich ab den 1960er-Jahren zunehmend der Druckgrafik.
Anni Albers starb 1994. Eine große Retrospektive wurde 2018–19 in der Tate Modern in London gezeigt. Heute gilt sie als eine der wichtigsten Textilkünstlerinnen des 20. Jahrhunderts und als diejenige, die der Webkunst einen Platz in der modernen Kunst verschaffte.