Canaletto

Der Vedutenmaler Venedigs.
Canaletto malte die Kanäle und Paläste Venedigs mit großer Präzision für englische Touristen auf der Grand Tour. Er arbeitete auch in London.
Canaletto hieß eigentlich Giovanni Antonio Canal und wurde 1697 in Venedig geboren. Der Beiname bedeutet „kleiner Canal“. Sein Vater Bernardo Canal war Theatermaler, und der Sohn begann damit, gemeinsam mit ihm Kulissen zu malen. Um 1719–20 arbeiteten sie in Rom an Dekorationen für Opern. Dort kam Canaletto mit Malern in Kontakt, die Stadtansichten schufen.
Zurück in Venedig begann er, Vedute zu malen, detaillierte Ansichten der Stadt. Seine frühen Bilder haben starke Hell-Dunkel-Kontraste, wie „Der Steinmetzhof“ von etwa 1725 in der National Gallery in London, in dem das Alltagsleben auf einem kleinen Platz im Mittelpunkt steht. Mit der Zeit wurden die Bilder heller und festlicher, mit dem Canal Grande, dem Markusplatz und dem Prunkschiff des Dogen an Festtagen.
Seine wichtigsten Käufer waren englische Adlige auf der Grand Tour, der Bildungsreise durch Europa. Der englische Konsul Joseph Smith fungierte als sein Agent und kaufte selbst viele Werke. Smiths Sammlung wurde 1762 an König Georg III. verkauft, weshalb sich eine der größten Sammlungen von Canalettos Kunst in der britischen königlichen Sammlung befindet.
Canaletto malte mit großer Präzision. Er benutzte vermutlich eine Camera obscura, um Skizzen anzufertigen, veränderte aber oft Proportionen und Perspektive, um ein besseres Bild zu erhalten. Seine Ansichten sind also nicht fotografisch exakt, auch wenn sie so aussehen. Als der Krieg in Europa in den 1740er-Jahren die Zahl der Touristen verringerte, zog er nach London, wo er mit Unterbrechungen etwa neun Jahre blieb. Er malte die Themse, die Westminster Bridge und englische Schlösser. Er starb 1768 in Venedig.
Canaletto schuf das Bild von Venedig, das viele noch heute haben. Sein Neffe Bernardo Bellotto, der sich manchmal ebenfalls Canaletto nannte, führte den Stil nach Dresden und Warschau weiter. Bellottos detaillierte Ansichten von Warschau dienten nach dem Zweiten Weltkrieg als Grundlage für den Wiederaufbau der Stadt.