Antonio Canova

Der bedeutendste Bildhauer des Klassizismus.
Antonio Canova machte Marmor glatt wie Porzellan. „Amor und Psyche“ und das Porträt von Napoleons Schwester Pauline Borghese zählen zu seinen bekanntesten Werken.
Antonio Canova wurde 1757 im Dorf Possagno in Venetien in Italien geboren. Sein Vater, ein Steinmetz, starb, als Antonio noch klein war, und er wuchs bei seinem Großvater auf, der ebenfalls Steinmetz war. Ein reicher Senator erkannte das Talent des Jungen und bezahlte seine Ausbildung in Venedig. Dort schuf er früh das Werk „Dädalus und Ikarus“ (1777–1779), das sich im Museo Correr in Venedig befindet.
1781 zog Canova nach Rom. Dort begegnete er den Skulpturen der Antike und den Ideen des Klassizismus. Sein erstes großes Werk in Rom war „Theseus und der Minotaurus“ (1781–1783), heute im Victoria and Albert Museum in London. Bald erhielt er Aufträge von den Päpsten und schuf Grabmäler für Clemens XIV. und Clemens XIII., Letzteres im Petersdom. Er wurde der berühmteste Bildhauer Europas.
Sein bekanntestes Werk ist „Amor und Psyche“ (1787–1793) im Louvre, in dem der Gott seine Geliebte mit einem Kuss erweckt. Napoleons Schwester Pauline Borghese ließ sich halb nackt als Venus auf einem Diwan liegend darstellen (1805–1808). Die Skulptur befindet sich in der Galleria Borghese in Rom. Canova schuf auch eine riesige nackte Statue Napoleons als friedenstiftender Kriegsgott. Sie befindet sich heute in Apsley House, dem Haus des Herzogs von Wellington in London. „Die drei Grazien“ (1814–1817) gibt es in zwei Fassungen, eine in Sankt Petersburg und eine, die sich Museen in London und Edinburgh teilen.
Canova arbeitete mit einer großen Werkstatt. Zuerst fertigte er ein Modell aus Ton und Gips an, und Gehilfen übertrugen die Form dann in Marmor. Die abschließende Arbeit führte er selbst aus. Er polierte die Oberfläche, bis sie glatt wie Haut war, und behandelte sie Berichten zufolge mitunter mit Wachs, um einen weichen Glanz zu erzielen. Gern zeigte er seine Skulpturen bei Fackelschein.
Nach Napoleons Sturz 1815 wurde Canova nach Paris geschickt, um über die Rückgabe von Kunstwerken zu verhandeln, welche die Franzosen aus Italien mitgenommen hatten, und er hatte weitgehend Erfolg. Er starb 1822 in Venedig. In Possagno ließ er einen Tempel errichten, und seine Gipsmodelle werden dort in einem Museum gezeigt. Er gilt als der bedeutendste Bildhauer des Klassizismus.