Giuseppe Castiglione
Der Jesuit am chinesischen Hof.
Giuseppe Castiglione, auf Chinesisch Lang Shining, kam 1715 nach Peking und malte für drei Kaiser. Er verband europäische Perspektive und Schattierung mit chinesischen Materialien.
Giuseppe Castiglione wurde 1688 in Mailand geboren und dort zum Maler ausgebildet. Er trat als Laienbruder in den Jesuitenorden ein und wurde 1715 als Missionar nach China gesandt. In Peking wurde er stattdessen Hofmaler und diente drei Kaisern: Kangxi, Yongzheng und Qianlong. Er erhielt den chinesischen Namen Lang Shining und blieb für den Rest seines Lebens in China. Er starb 1766 in Peking und wurde auf dem Friedhof der Jesuiten dort beigesetzt.
Am Hof lernte er chinesische Materialien und Techniken: Tusche und Farbe auf Seide und Papier. Er entwickelte einen Mischstil, in dem europäische Perspektive, Hell und Dunkel mit chinesischen Kompositionen verbunden wurden. Die Kaiser wollten keine starken Schatten in den Gesichtern, weshalb die Porträts ein gleichmäßiges, weiches Licht erhielten. Er malte Blumen, Vögel, Hunde und vor allem Pferde.
Sein bekanntestes Werk ist „Hundert Pferde“ von 1728 im Nationalen Palastmuseum in Taipeh, eine lange Querrolle, auf der Pferde in einer Landschaft mit echter Tiefenwirkung weiden, spielen und baden. Er malte auch offizielle Porträts von Kaiser Qianlong und der Kaiserin, Jagdszenen und Zeremonien des Hofes und leitete die Arbeit an Bildern von Qianlongs Feldzügen, die anschließend in Paris gestochen wurden.
Castiglione war außerdem am Entwurf der europäischen Paläste im kaiserlichen Garten Yuanmingyuan vor den Toren Pekings beteiligt, mit Springbrunnen und Barockfassaden. Sie wurden 1860 von britischen und französischen Truppen zerstört, und heute sind nur noch Ruinen erhalten. Castiglione gilt als wichtigstes Bindeglied zwischen europäischer und chinesischer Malerei im 18. Jahrhundert und wird sowohl in China als auch in Europa hoch geschätzt.