Marc Chagall

Maler der Träume und der fliegenden Liebenden.
Marc Chagall aus Witebsk malte Erinnerungen an das jüdische Dorf: fliegende Paare, Geiger und Ziegen. Er schuf auch Glasfenster.
Marc Chagall wurde 1887 in einer jüdischen Familie in Witebsk im heutigen Belarus geboren. Sein Vater arbeitete in einem Heringslager. Er ging beim Maler Jehuda Pen in seiner Heimatstadt in die Lehre und studierte dann in Sankt Petersburg. Die Welt seiner Kindheit mit Holzhäusern, Synagogen, Kühen, Ziegen und Spielleuten wurde zur Quelle, aus der er sein Leben lang schöpfte.
Um 1910 kam er nach Paris und wohnte im Atelierhaus La Ruche. Dort begegnete er dem Kubismus und den klaren Farben der französischen Malerei, setzte sie aber auf seine eigene Weise ein. „Ich und das Dorf“ von 1911, heute im Museum of Modern Art in New York, verbindet eine Kuh, ein grünes Gesichtsprofil und ein auf dem Kopf stehendes Dorf zu einem traumhaften Muster. 1914 kehrte er nach Witebsk zurück und heiratete 1915 Bella Rosenfeld. Das Paar, das in „Der Geburtstag“ von 1915, ebenfalls im MoMA, schwebt, sind die beiden.
Nach der Revolution leitete er eine Kunstschule in Witebsk, geriet aber in Konflikt mit Kasimir Malewitsch. In Moskau malte er Dekorationen für das jüdische Theater und verließ 1922 die Sowjetunion. Er ließ sich in Frankreich nieder, doch 1941 floh er vor den Nationalsozialisten in die USA. Bella starb dort 1944, ein Verlust, der seine Malerei lange prägte. „Die weiße Kreuzigung“ von 1938, mit einem jüdischen Christus inmitten von Verfolgungsszenen, befindet sich im Art Institute of Chicago.
Nach dem Krieg lebte er in Südfrankreich und arbeitete in vielen Techniken: Grafik, Keramik, Mosaik und vor allem Glasmalerei. Er schuf Fenster für die Synagoge des Hadassah-Krankenhauses in Jerusalem, für die Kathedrale von Reims und für das UN-Gebäude in New York. 1964 malte er außerdem die Decke der Pariser Oper und zwei große Wandbilder für die Metropolitan Opera in New York.
Chagall starb 1985 im Alter von 97 Jahren in Saint-Paul-de-Vence. Er gehörte nie ganz zu einer Richtung. Die Surrealisten wollten ihn als Vorläufer vereinnahmen, er selbst meinte jedoch, seine Bilder beruhten auf Erinnerung und Gefühl. In Nizza gibt es ein Museum mit seinen biblischen Bildern.