Giorgio de Chirico

Schöpfer der metaphysischen Malerei.
Giorgio de Chirico malte verlassene Plätze mit langen Schatten, Statuen und Arkaden. Die Surrealisten sahen in ihm einen Vorläufer.
Giorgio de Chirico wurde 1888 in Volos in Griechenland als Sohn italienischer Eltern geboren. Sein Vater war Eisenbahningenieur. Er studierte Kunst in Athen und dann an der Akademie in München. Dort ließ er sich vom symbolistischen Maler Arnold Böcklin und von den Philosophen Nietzsche und Schopenhauer beeinflussen, besonders von der Idee, dass die Wirklichkeit einen geheimen, beunruhigenden Sinn verbirgt.
Um 1910 begann er zu malen, was er später metaphysische Bilder nannte. In Paris erhielt er 1911–1915 Unterstützung vom Dichter Guillaume Apollinaire. Die Bilder zeigen leere italienische Plätze mit Arkaden, langen Schatten, Statuen, Zügen am Horizont und Uhren, die eine genaue Zeit anzeigen. Alles ist still und klar und doch rätselhaft. „Das Lied der Liebe“ von 1914, mit einem antiken Gipskopf und einem Gummihandschuh an einer Wand, befindet sich im Museum of Modern Art in New York.
Im Ersten Weltkrieg war er in Ferrara stationiert. Dort arbeitete er mit dem Maler Carlo Carrà zusammen, und gemeinsam formulierten sie die „pittura metafisica“, die metaphysische Malerei. Nun tauchten in den Bildern gesichtslose Schaufensterpuppen auf, manchmal als Paar oder als „Troubadoure“. Die Räume füllen sich mit Gerüsten, Landkarten und Keksen aus den Bäckereien Ferraras.
In den 1920er-Jahren wandte sich de Chirico vom Modernen ab und den alten Meistern und einer klassischen Malerei zu. Die Surrealisten, die ihn zutiefst bewundert hatten, distanzierten sich, und André Breton meinte, er habe seine Kunst verraten. Später malte er neue Fassungen seiner frühen Motive und datierte sie bisweilen auf frühere Jahre zurück, was Fragen der Echtheit und Datierung kompliziert gemacht hat.
Die letzten Jahrzehnte lebte er in Rom an der Spanischen Treppe, wo sein Haus heute ein Museum ist. Er starb 1978. Seine frühen Bilder waren von entscheidender Bedeutung für den Surrealismus und für Magritte, Dalí und Max Ernst, und sie beeinflussten auch Film, Architektur und Design. Sein Bruder Alberto Savinio war Schriftsteller, Komponist und Maler.