Otto Dix

Unbarmherziger Chronist des Krieges und der Weimarer Republik.
Otto Dix war Soldat gewesen und zeigte die Schrecken des Krieges und die Dekadenz der 1920er-Jahre mit schonungsloser Schärfe.
Otto Dix wurde 1891 in Untermhaus bei Gera in Thüringen geboren. Sein Vater war Gießereiarbeiter. Er machte eine Lehre als Dekorationsmaler und studierte dann an der Kunstgewerbeschule in Dresden. Als der Erste Weltkrieg ausbrach, meldete er sich freiwillig und diente mehrere Jahre als Maschinengewehrschütze, unter anderem an der Somme. Die Erfahrungen aus den Schützengräben prägten ihn fürs Leben.
Nach dem Krieg gehörte er eine Zeit lang zum Dadaismus, wurde aber in den 1920er-Jahren zu einem der führenden Vertreter der Neuen Sachlichkeit. Er malte mit der sorgfältigen Technik der alten Meister, in dünnen Lasuren, doch die Motive waren zeitgenössisch und unbarmherzig. Kriegsinvaliden, Prostituierte, Spekulanten und Nachtclubbesucher werden mit einer Schärfe geschildert, die an Karikatur grenzt.
1924, zehn Jahre nach Kriegsausbruch, veröffentlichte er die Grafikserie „Der Krieg“, fünfzig Radierungen mit Leichen, Wunden, Gasmasken und zerstörten Landschaften. Sie gilt als eines der stärksten Antikriegswerke der Kunstgeschichte. Das „Bildnis der Journalistin Sylvia von Harden“ von 1926 befindet sich im Centre Pompidou in Paris. Das Triptychon „Großstadt“ von 1927/28 zeigt das Berliner Nachtleben zwischen Jazzband und bettelnden Kriegsinvaliden und befindet sich im Kunstmuseum Stuttgart. Das große Triptychon „Der Krieg“ von 1929–32 hängt in Dresden.
1927 wurde er Professor an der Kunstakademie in Dresden, doch die Nationalsozialisten entließen ihn 1933 und brandmarkten seine Kunst als entartet. Er zog aufs Land am Bodensee und malte vor allem Landschaften. In der Endphase des Krieges wurde er zum Volkssturm eingezogen und geriet in französische Kriegsgefangenschaft.
Nach dem Krieg malte er oft religiöse Motive in einem freieren Stil. Er wurde sowohl in West- als auch in Ostdeutschland geehrt und starb 1969. Dix gilt als einer der schärfsten Chronisten der Weimarer Republik und dessen, was Krieg mit Menschen macht.