Jean-Honoré Fragonard

Jean-Honoré Fragonard
Jean-Honoré Fragonard, Public domain

Der verspielte Erzähler des Rokoko.

Fragonard malte Liebe, Flirt und Spiel für die französische Oberschicht. Die Revolution machte seinen Stil über Nacht unmodern.

Jean-Honoré Fragonard wurde 1732 in Grasse in der Provence geboren. Die Familie zog nach Paris, als er noch klein war. Er begann als Lehrling bei einem Notar, doch sein zeichnerisches Talent ermöglichte ihm ein Malereistudium, zunächst kurz bei Chardin und dann bei François Boucher. 1752 gewann er den Rom-Preis und lebte nach weiteren Studien in Paris von 1756 bis 1761 an der Académie de France in Rom.

In Italien zeichnete er Gärten und Ruinen, unter anderem in der Villa d’Este in Tivoli, oft gemeinsam mit dem Maler Hubert Robert. Nach seiner Rückkehr nach Paris hatte er Erfolg mit einem großen Historiengemälde, „Koresos und Kallirhoe“ (1765), das im Auftrag des Königs angekauft wurde und sich heute im Louvre befindet. Bald aber wandte er sich von der schweren Historienmalerei ab und arbeitete für private Auftraggeber, die sinnliche und verspielte Bilder wünschten.

Sein bekanntestes Werk ist „Die Schaukel“ (1767): Eine junge Frau schaukelt hoch hinaus und streift dabei einen Schuh ab, während ein Verehrer ihr unter den Rock blickt. Das Gemälde befindet sich in der Wallace Collection in London. Ein weiteres Hauptwerk ist die Serie über die Entwicklung der Liebe, die er Anfang der 1770er-Jahre für Madame du Barry malte. Sie wies die Gemälde zurück; heute befinden sie sich in der Frick Collection in New York. „Der Riegel“, eine aufgeladene Liebesszene in einem Schlafzimmer, hängt im Louvre.

Fragonard malte oft sehr schnell. In seinen sogenannten Fantasiebildnissen sind die Pinselstriche deutlich zu erkennen, und manche sollen in einer Stunde entstanden sein. Die Farben sind hell, mit Rosa, Gelb und Grün, und die Natur wirkt üppig und luftig. 1769 heiratete er Marie-Anne Gérard. Ihre Schwester Marguerite Gérard wurde seine Schülerin und eine erfolgreiche Malerin.

Die Revolution ließ das Rokoko unmodern werden. Jacques-Louis David verschaffte Fragonard einen Posten in der Kommission für das neue Museum im Louvre, doch als Maler war er vergessen, als er 1806 starb. Erst Mitte des 19. Jahrhunderts wurde er wiederentdeckt, und später sahen die Impressionisten in ihm mit seinem schnellen, freien Pinselstrich einen Vorläufer.