George Grosz

Der Satiriker von Berlin.
George Grosz zeichnete gierige Kapitalisten, Militärs und Prostituierte im Berlin der Weimarer Republik. 1933 emigrierte er in die USA.
George Grosz wurde 1893 als Georg Groß in Berlin geboren und wuchs in Pommern auf. Er studierte an der Kunstakademie in Dresden und dann in Berlin und begann früh, Witzzeichnungen für Zeitungen anzufertigen. Im Ersten Weltkrieg diente er kurze Zeit, erlitt aber einen Zusammenbruch. 1916 begann er aus Protest, seinen Namen englisch zu schreiben, mitten in der antibritischen Kriegsstimmung.
Nach dem Krieg wurde er zu einem der aggressivsten Mitglieder des Berliner Dadaismus und trat in die Kommunistische Partei ein. Seine Zeichnungen zeigen ein Berlin voller fetter Industrieller, brutaler Offiziere, Pfarrer, Kriegsinvaliden und Prostituierter. Die Linie ist dünn, scharf und fast kindlich, und er entlehnte Anregungen aus Graffiti und Kinderzeichnungen. Die Mappe „Das Gesicht der herrschenden Klasse“ von 1921 ist eines der bekanntesten Beispiele.
In den 1920er-Jahren gehörte er zur Neuen Sachlichkeit. Das Gemälde „Stützen der Gesellschaft“ von 1926, mit einem Juristen, einem Journalisten, einem Politiker und einem Pfarrer mit leeren oder offenen Köpfen, befindet sich in der Nationalgalerie in Berlin. Grosz wurde mehrfach vor Gericht gestellt, wegen Beleidigung der Armee und wegen Gotteslästerung, unter anderem für eine Zeichnung von Christus mit Gasmaske. Nach einer Reise in die Sowjetunion 1922 wurde er vom Kommunismus desillusioniert und verließ die Partei schließlich.
Anfang 1933, kurz bevor die Nationalsozialisten die Macht übernahmen, emigrierte er in die USA. Dort unterrichtete er an der Art Students League in New York. Seine amerikanische Kunst wurde milder und traditioneller, mit Landschaften und Aktstudien, doch während des Krieges malte er auch dunkle, apokalyptische Bilder. In Deutschland wurde seine Kunst als entartet gebrandmarkt.
1959 zog er zurück nach Berlin, starb dort aber nur wenige Wochen später nach einem Sturz. Grosz gilt als einer der bedeutendsten satirischen Zeichner des 20. Jahrhunderts und als schärfster Kritiker der Gesellschaft der Weimarer Republik.