Guo Xi

Der Theoretiker der Landschaft am Song-Hof.
Guo Xi war Hofmaler und schrieb einen berühmten Text über die Landschaftsmalerei mit drei Perspektiven: hoch, tief und weit. „Frühling“ von 1072 ist sein Meisterwerk.
Guo Xi wurde um 1020 in Wenxian in der heutigen Provinz Henan geboren und starb um 1090. Er wurde unter Kaiser Shenzong in der Nördlichen Song-Dynastie der führende Hofmaler und schuf Wandmalereien und Stellwände in kaiserlichen Gebäuden. Er knüpfte an Li Chengs Stil an, mit kahlen, krummen Bäumen und dunstigen Bergen.
Sein Meisterwerk ist „Früher Frühling“ von 1072, eine Hängerolle in Tusche und leichter Farbe auf Seide im Nationalen Palastmuseum in Taipeh. Ein Berg windet sich in weichen, gerundeten Formen durch den Dunst nach oben. Die Bäume haben Äste, die Krebsscheren ähneln. Wasserfälle, Pfade, Tempel und kleine Menschen sind hier und da zu sehen. Das Bild fängt die Stimmung ein, wenn der Winter zu weichen beginnt, und das Auge kann auf verschiedenen Wegen durch die Landschaft wandern.
Guo Xi ist auch für den Text „Die hohe Bedeutung von Wäldern und Bächen“ bekannt, den sein Sohn Guo Si nach seinen Gedanken zusammenstellte. Darin schreibt er, eine gute Landschaft müsse so beschaffen sein, dass man in ihr wandern und sogar wohnen möchte. Er beschreibt drei Arten, Berge zu betrachten: von unten nach oben, in die Tiefe hinein und hinaus in die Weite. Der Text gehört zu den wichtigsten der chinesischen Kunsttheorie.
Nach Shenzongs Tod geriet sein Stil aus der Mode. Einer späteren Erzählung zufolge dienten seine Gemälde am Hof unter Kaiser Huizong als Wischtücher, doch das ist eine Anekdote. Sein Einfluss blieb dennoch groß, sowohl durch die Bilder als auch durch den Text, und in der Yuan-Dynastie erlebte sein Stil unter den gelehrten Malern eine neue Blüte.