Keith Haring

Der Zeichner der U-Bahn.
Keith Haring begann, mit Kreide in der New Yorker U-Bahn zu zeichnen. Seine tanzenden Figuren und strahlenden Kinder wurden zu einer volkstümlichen Bildwelt.
Keith Haring wurde 1958 in Reading in Pennsylvania geboren und wuchs in der Kleinstadt Kutztown auf. Sein Vater zeichnete als Hobby Comics, und Haring zeichnete schon als Kind viel. Nach einem Studium der kommerziellen Grafik in Pittsburgh zog er 1978 nach New York und studierte an der School of Visual Arts. Er wurde rasch Teil des lebendigen Kulturlebens der Stadt rund um Clubs wie den Club 57, in denen sich Kunst, Musik und Performance mischten.
Ab 1980 zeichnete er mit weißer Kreide auf die schwarzen Papierbögen, die leere Werbeflächen in der U-Bahn bedeckten. Er schuf Hunderte von Zeichnungen, oft in wenigen Minuten, und wurde mehrmals wegen Sachbeschädigung festgenommen. Die Pendler sahen seine Figuren jeden Tag: das strahlende Kind, den bellenden Hund, fliegende Untertassen und tanzende Menschen. Die U-Bahn wurde sein Atelier und sein Publikum.
Bald stellte er in Galerien aus und wurde international bekannt. Er war mit Andy Warhol, Jean-Michel Basquiat und Madonna befreundet. 1986 eröffnete er den Pop Shop in SoHo, einen Laden, in dem er Poster, T-Shirts und Buttons mit seinen Motiven verkaufte, damit sich jeder seine Kunst leisten konnte. Im selben Jahr malte er das Wandbild „Crack Is Wack“ in Harlem und ein Stück der Berliner Mauer. Sein letztes großes Werk im öffentlichen Raum, „Tuttomondo“ von 1989, befindet sich an einer Kirchenwand in Pisa.
Harings Stil beruht auf dicken, sicheren Konturen, kräftigen flachen Farben und Figuren in Bewegung. Er erinnert an Comics, Graffiti und Hieroglyphen. Hinter der fröhlichen Oberfläche stand oft Ernst: Er bezog Stellung gegen Apartheid, Atomwaffen und Drogen und für Safer Sex. 1988 wurde bei ihm Aids diagnostiziert. 1989 gründete er die Keith Haring Foundation, die Kinderprogramme und Aids-Organisationen unterstützt.
Haring starb 1990, nur 31 Jahre alt. Seine Bilder leben auf Kleidung, Postern und in Museen auf der ganzen Welt weiter. Er ist ein Symbol für das New York der 1980er-Jahre und für den Gedanken, dass Kunst allen gehören soll, und ein wichtiger Name in der Geschichte der LGBTQ-Bewegung.