Hannah Höch

Collagekünstlerin des Dadaismus.
Hannah Höch schnitt Bilder aus Zeitungen aus und schuf Collagen, die die Männer der Weimarer Republik und die Neue Frau auf die Schippe nahmen.
Hannah Höch wurde 1889 in Gotha in Deutschland geboren. Sie zog zum Studium nach Berlin, zuerst Glasmalerei und dann Grafik an der Kunstgewerbeschule. Ab 1916 arbeitete sie zehn Jahre lang für den großen Ullstein Verlag, wo sie Muster für Stickereien und Handarbeiten für Frauenzeitschriften entwarf. Die Arbeit brachte sie in direkten Kontakt mit Zeitungsbildern und Massenmedien.
Durch den Künstler Raoul Hausmann, mit dem sie 1915–1922 eine Beziehung hatte, kam sie zum Berliner Dadaismus. Sie war die einzige Frau im engeren Kreis und nahm 1920 an der großen Dada-Messe teil, obwohl mehrere der Männer zögerten, sie aufzunehmen. Dort zeigte sie ihr bekanntestes Werk, eine große Fotomontage mit dem Titel „Schnitt mit dem Küchenmesser Dada durch die letzte Weimarer Bierbauchkulturepoche Deutschlands“ von 1919/20. Sie befindet sich heute in der Nationalgalerie in Berlin.
Höch war eine der Pionierinnen der Fotomontage. Sie schnitt Fotografien von Politikern, Maschinen, Menschenmengen, Frauenkörpern und Gesichtern aus Zeitungen aus und setzte sie zu neuen, zersplitterten Bildern zusammen. Ihre Collagen nehmen Militarismus und Bürgerlichkeit aufs Korn, aber auch die Selbstgefälligkeit der männlichen Dadaisten. Oft handeln sie von der Neuen Frau, die wählte, arbeitete und sich die Haare kurz schnitt, und von den Rollen, die sie spielen sollte. In der Serie „Aus einem ethnographischen Museum“ aus den 1920er-Jahren verband sie Frauengesichter mit Objekten außereuropäischer Kulturen.
Von 1926 bis 1935 lebte sie mit der niederländischen Schriftstellerin Til Brugman zusammen, teilweise in den Niederlanden. In der Zeit des Nationalsozialismus wurde ihre Kunst als entartet gebrandmarkt, und sie durfte nicht ausstellen. Sie zog sich in ein kleines Haus am Stadtrand von Berlin zurück, wo sie während des Krieges sowohl ihre eigenen Werke als auch die anderer Dadaisten versteckte.
Nach dem Krieg arbeitete sie weiter mit Collagen, die nun oft abstrakt und farbenreich waren. Sie starb 1978 in Berlin. Lange sah man in ihr vor allem Hausmanns Gefährtin, doch heute zählt sie zu den wichtigsten Künstlerinnen des Dadaismus und gilt als Vorläuferin späterer Künstler, die mit Bildern aus den Massenmedien arbeiten und Fragen des Geschlechts behandeln.