William Holman Hunt

Der treueste Präraffaelit.
William Holman Hunt war 1848 Mitgründer der Bruderschaft und hielt sein Leben lang an ihren Idealen fest. Er reiste mehrmals nach Palästina, um biblische Motive vor Ort zu malen, und „Das Licht der Welt“ wurde zu einem der am weitesten verbreiteten religiösen Bilder des 19. Jahrhunderts.
William Holman Hunt wurde 1827 in London geboren. Sein Vater wollte, dass er Büroangestellter wird, und er arbeitete eine Zeit lang in einem Büro, bevor er 1844 in die Royal Academy Schools aufgenommen wurde. Dort lernte er John Everett Millais und Dante Gabriel Rossetti kennen. 1848 gründeten die drei die Präraffaelitische Bruderschaft, die mit den Regeln der Akademie brechen und zu Naturstudium und Aufrichtigkeit vor Raffael zurückkehren wollte.
Seine frühen Werke riefen sowohl Bewunderung als auch Spott hervor. „Der gedungene Hirte“ von 1851 befindet sich in der Manchester Art Gallery. „Das Licht der Welt“, das Christus mit einer Laterne zeigt, der an eine Tür klopft, wurde 1851–53 gemalt und hängt im Keble College in Oxford. Eine spätere, größere Fassung vom Anfang des 20. Jahrhunderts hängt in der St Paul’s Cathedral in London und ging auf Weltreise. „Das erwachende Gewissen“ von 1853, mit einer jungen Frau, die sich vom Schoß ihres Geliebten erhebt, befindet sich in der Tate Britain.
Hunt wollte biblische Szenen so wahrheitsgetreu wie möglich malen und reiste deshalb mehrmals in den Nahen Osten. „Der Sündenbock“ wurde 1854–56 am Ufer des Toten Meeres gemalt und befindet sich heute in der Lady Lever Art Gallery bei Liverpool. Er arbeitete langsam und sorgfältig, mit scharfen Details auf der ganzen Fläche, klaren Farben auf weißem Grund und einer dichten Symbolik, in der jeder Gegenstand eine Bedeutung hat.
1865 heiratete er Fanny Waugh, die im Jahr darauf in Florenz nach einer Entbindung starb. Später heiratete er ihre Schwester Edith. Eine solche Ehe war in England verboten, deshalb fand die Trauung in der Schweiz statt, und sie löste einen Skandal aus. Gegen Ende seines Lebens verschlechterte sich sein Sehvermögen. 1905 veröffentlichte er ein zweibändiges Werk über die Präraffaeliten, in dem er sich selbst als eigentlichen Anführer der Bewegung darstellte, was andere in Frage gestellt haben.
Hunt starb 1910 und wurde in der St Paul’s Cathedral beigesetzt. Er war der Einzige unter den Gründern, der sein Leben lang an den Prinzipien der Bruderschaft festhielt. „Das Licht der Welt“ wurde zu einem der am weitesten verbreiteten religiösen Bilder in der englischsprachigen Welt, und seine Bildsprache hat sowohl die religiöse Kunst als auch die spätere realistische Malerei beeinflusst.