Jean-Auguste-Dominique Ingres

Jean-Auguste-Dominique Ingres
Jean-Auguste-Dominique Ingres, Public domain

Der Meister der Linie.

Ingres war ein Schüler Davids und verteidigte die Zeichnung gegen die Farbe der Romantiker. Seine Haremsdamen haben zu lange Rücken, aber eine vollkommene Linie.

Jean-Auguste-Dominique Ingres wurde 1780 in Montauban in Südfrankreich geboren. Sein Vater war Dekorationskünstler und Musiker und lehrte den Sohn sowohl Zeichnen als auch Geige. Als Jugendlicher spielte Ingres in einem Orchester in Toulouse Geige und studierte zugleich an der dortigen Akademie. 1797 kam er nach Paris und wurde Schüler von Jacques-Louis David. 1801 gewann er den Rom-Preis, konnte wegen der schlechten Finanzlage des Staates aber erst 1806 reisen.

Im selben Jahr stellte er „Napoleon auf dem Kaiserthron“ aus, heute im Musée de l’Armée in Paris. Die Kritiker fanden es steif und altmodisch. Ingres war tief verletzt und blieb achtzehn Jahre in Italien, in Rom und Florenz. Seinen Lebensunterhalt verdiente er unter anderem mit Bleistiftporträts von Touristen, und diese Zeichnungen zählen heute zu seinen schönsten Werken. 1813 heiratete er Madeleine Chapelle. Die große Anerkennung kam erst 1824, als er in Paris „Das Gelübde Ludwigs XIII.“ ausstellte.

Ingres war der Meister der Linie. Er meinte, die Zeichnung sei die Grundlage der Kunst und die Farbe ihr untergeordnet. Seine Oberflächen sind glatt und fast unsichtbar gemalt, die Konturen rein und fließend. Um eine schönere Linie zu erhalten, verzerrte er gern die Anatomie. Die „Große Odaliske“ (1814) im Louvre hat einen Rücken, der nach Ansicht der Kritiker einige Wirbel zu viel besitzt. Weitere bekannte Werke sind „Die Badende von Valpinçon“ (1808) und das runde „Türkische Bad“ (1862), beide im Louvre, sowie das Porträt der Madame Moitessier in der National Gallery in London.

Ingres wurde zum Anführer der akademischen Tradition und war der Rivale von Eugène Delacroix, der für die Farbe und die Bewegung der Romantik stand. Der Streit zwischen ihnen wurde als Kampf zwischen Linie und Farbe beschrieben. Von 1835 bis 1841 war Ingres Direktor der Académie de France in Rom. Er starb 1867 in Paris. Sein Geigenspiel gab Anlass zu dem französischen Ausdruck „violon d’Ingres“, der ein Hobby bezeichnet.

Ingres beeinflusste sowohl akademische Maler als auch moderne Künstler. Degas war ein großer Bewunderer, und Picasso und Matisse ließen sich von seinem freien Umgang mit der Körperform anregen. Ein Museum in Montauban ist ihm gewidmet.