Anish Kapoor

Anish Kapoor
Bengt Oberger, CC BY-SA 4.0

Der Bildhauer der Leere.

Anish Kapoor schafft Skulpturen, die das Licht spiegeln oder verschlucken, wie „Cloud Gate“ in Chicago.

Anish Kapoor wurde 1954 in Bombay, dem heutigen Mumbai, in Indien geboren. Sein Vater war ein hinduistischer Hydrograf, seine Mutter stammte aus einer jüdischen Familie aus dem Irak. Anfang der 1970er-Jahre lebte er eine Zeit lang in Israel. 1973 zog er nach London, wo er am Hornsey College of Art und an der Chelsea School of Art studierte. Seither lebt und arbeitet er in Großbritannien.

Bekannt wurde er um 1980 mit Skulpturen, die mit reinem, trockenem Pigment in kräftigen Farben wie Rot, Gelb und Blau bedeckt sind. Das Pulver liegt auch um die Werke herum auf dem Boden, sodass die Formen aus der Farbe herauszuwachsen scheinen. Die Serie hängt mit den Pigmenthaufen zusammen, die er auf Märkten und in Tempeln in Indien gesehen hatte. Später begann er, mit Stein zu arbeiten, oft mit hohlen Formen, die Höhlen oder Öffnungen ins Dunkel ähneln.

1990 vertrat er Großbritannien auf der Biennale von Venedig, und 1991 erhielt er den Turner-Preis. 2002 füllte er die Turbine Hall der Tate Modern mit „Marsyas“, einer gewaltigen roten Membranform. Sein bekanntestes Werk im öffentlichen Raum ist „Cloud Gate“ im Millennium Park in Chicago, eingeweiht 2006. Es besteht aus 168 verschweißten Platten aus Edelstahl und ist zu einem nahtlosen Spiegel poliert. Die Chicagoer nennen es „The Bean“, die Bohne. In London entwarf er den Turm ArcelorMittal Orbit für die Olympischen Spiele 2012.

Kapoor arbeitet mit Leere, Spiegelungen und tiefem Schwarz. Konkave Spiegel stellen den Raum auf den Kopf, und dunkle Löcher scheinen keinen Boden zu haben. Er hat auch rote Wachsklumpen aus einer Kanone gegen die Wand geschossen. 2016 erhielt er das exklusive Recht zur künstlerischen Nutzung des extrem schwarzen Materials Vantablack, was Proteste anderer Künstler auslöste.

Kapoor wurde 2013 geadelt. Er gehört zu den bekanntesten Bildhauern der Welt, und seine Werke verbinden die einfachen Formen des Minimalismus mit Fragen nach Körper, Raum und dem Spirituellen. Seine Skulpturen im öffentlichen Raum sind zu beliebten Treffpunkten und Fotomotiven geworden.