Angelica Kauffman

Angelica Kauffman
Angelica Kauffmann, Public domain

Der internationale Star des Klassizismus.

Angelica Kauffman gehörte zu den Gründungsmitgliedern der Royal Academy in London. Sie malte Historienbilder, ein Genre, das Frauen sonst verschlossen war.

Angelica Kauffman wurde 1741 in Chur in der Schweiz geboren. Ihr Vater war ein Wandermaler, und sie lernte in seiner Begleitung das Malen. Sie war ein Wunderkind, sprach mehrere Sprachen und war eine so begabte Sängerin, dass sie lange zwischen Musik und Malerei schwankte. Früh reiste sie durch Italien und studierte die Alten Meister. In Rom malte sie 1764 ein Porträt des deutschen Kunsttheoretikers Johann Joachim Winckelmann, des wichtigsten Denkers des Klassizismus. Es befindet sich heute im Kunsthaus Zürich.

1766 zog sie nach London, wo sie schnell zum Star wurde. Sie malte Porträts, setzte aber vor allem auf die Historienmalerei, also Szenen aus Antike, Mythologie und Geschichte. Diese galt als vornehmste Gattung, war Frauen jedoch fast verschlossen, weil sie keine Aktmodelle studieren durften. 1768 gehörte sie zu den Gründungsmitgliedern der Royal Academy, als eine von nur zwei Frauen. Die nächste Frau wurde erst im 20. Jahrhundert Vollmitglied.

Kauffmans Stil ist sanft und elegant, mit hellen Farben und anmutigen Gestalten. Ihre Motive handeln oft von weiblichen Tugenden und Gefühlen, etwa „Cornelia, Mutter der Gracchen“ (1785), in dem eine römische Mutter ihre Kinder als ihre „Juwelen“ vorzeigt. Das Gemälde befindet sich im Virginia Museum of Fine Arts in den USA. Ihre Bilder verbreiteten sich als Stiche und dienten als Dekor auf Möbeln, Porzellan und Wänden in britischen Häusern.

Ihr Privatleben war dramatisch. 1767 heiratete sie einen Mann, der sich als Graf ausgab, aber ein Betrüger war, und die Ehe wurde aufgelöst. 1781 heiratete sie den venezianischen Maler Antonio Zucchi und zog nach Rom. Dort wurde ihr Haus zu einem Treffpunkt für Künstler und Schriftsteller, darunter Goethe.

Sie starb 1807 in Rom. Die Beerdigung wurde vom Bildhauer Antonio Canova ausgerichtet und war so prunkvoll wie die eines Fürsten. Kauffman zeigte, dass eine Frau als Künstlerin eine große internationale Karriere machen konnte, und gehört heute zu den meistbeachteten Frauen der Kunstgeschichte.