Kawanabe Kyōsai

Der letzte große Satiriker des Ukiyo-e.
Kawanabe Kyōsai war ein wilder und witziger Zeichner der Meiji-Zeit, der Dämonen, Skelette und politische Satire schuf.
Kawanabe Kyōsai wurde 1831 in Koga nördlich von Edo geboren, und die Familie zog bald nach Edo, dem heutigen Tokio. Schon mit sechs Jahren begann er bei dem Holzschnittkünstler Utagawa Kuniyoshi zu lernen. Später erhielt er eine gründliche Ausbildung in der Kanō-Schule, der offiziellen Malerei mit chinesischen Wurzeln, wo er die klassische Pinseltechnik und die alten Motive lernte.
Er löste sich von den strengen Regeln der Schule und nahm den Namen Kyōsai an, dessen erstes Zeichen etwa „verrückt“ bedeutet. Er nannte sich gern einen verrückten Maler und war dafür bekannt, schnell zu malen, oft auf Festen und mit Sake im Blut. Sein Werk reicht von frommen buddhistischen Bildern bis zu derben Scherzen, Karikaturen und Dämonen. Krähen wurden eines seiner Spezialmotive, und ein Krähenbild brachte ihm 1881 einen Preis bei einer nationalen Industrieausstellung ein.
Kyōsai lebte in der Zeit des Umbruchs, als sich Japan dem Westen öffnete und das Shogunat durch den Meiji-Kaiser abgelöst wurde. Er schuf satirische Bilder über die rasche Modernisierung, über Ausländer und über die neuen Machthaber. 1870 wurde er verhaftet, nachdem er Karikaturen gezeichnet hatte, die als Beleidigung von Beamten galten, und saß eine Zeit lang im Gefängnis. Der Vorfall machte ihn nur noch bekannter.
Zu seinen Motiven gehören die Kurtisane der Hölle, Jigoku dayū, tanzende Skelette und Wettkämpfe zwischen Dämonen. Seine Zeichnung ist frei, kraftvoll und voller Bewegung, doch dahinter steht eine tiefe Kenntnis der klassischen Malerei. Der britische Architekt Josiah Conder, der in Japan arbeitete, wurde sein Schüler und schrieb später ein Buch über ihn. Durch Conder und Besucher wie den Franzosen Émile Guimet wurde Kyōsai bereits zu Lebzeiten in Europa bekannt.
Kyōsai starb 1889. Lange galt er in Japan als Außenseiter zwischen alter und neuer Zeit, doch in den letzten Jahrzehnten hat er große Aufmerksamkeit erfahren, unter anderem durch Ausstellungen in Japan und London. Ein ihm gewidmetes Museum befindet sich in Warabi bei Tokio. Heute gilt er als der letzte große Meister des humoristischen und fantastischen Zweigs der Ukiyo-e-Tradition.