Ma Yuan

Der Meister der Ecke.
Ma Yuan war Hofmaler der Südlichen Song und ließ das Motiv oft nur eine Ecke des Bildes einnehmen, während der Rest von Dunst und Leere erfüllt ist.
Ma Yuan wurde um 1160 geboren und starb um 1225. Er stammte aus einer Familie, die seit mehreren Generationen Hofmaler hervorgebracht hatte, und sein Sohn Ma Lin setzte die Tradition fort. Er arbeitete unter den Kaisern Guangzong und Ningzong an der kaiserlichen Malakademie in Hangzhou, der Hauptstadt der Südlichen Song-Dynastie.
Ma Yuan ist für einen neuen Kompositionstyp bekannt. Statt das Bild mit einem gewaltigen Berg zu füllen, wie es die Maler der Nördlichen Song taten, setzte er das Motiv in eine Ecke. Ein Felsen, eine krumme Kiefer oder ein Gelehrter, der über das Wasser blickt, nimmt eine Ecke ein, während der Rest des Bildes von Dunst, Wasser oder Leere erfüllt ist. Deshalb erhielt er den Spitznamen „Ma der Ecke“. Zusammen mit Xia Gui begründete er die sogenannte Ma-Xia-Schule.
Zu seinen Werken gehört „Auf einem Bergpfad im Frühling wandern“ im Nationalen Palastmuseum in Taipeh, auf dem ein Gelehrter unter Weiden geht, während ein Vogel davonfliegt. Ein Album mit zwölf Bildern von Wasser in verschiedenen Formen, von stillen Wellen bis zum stürmischen Meer, befindet sich im Palastmuseum in Peking. Er malte oft in kleinen Formaten, etwa auf Fächern und Albumblättern, mit kräftigen, kantigen Pinselstrichen für Felsen.
Spätere chinesische Kritiker, besonders in der Ming-Zeit, blickten auf Hofmaler wie Ma Yuan herab und zogen die gelehrten Amateure vor. In Japan hingegen wurde der Ma-Xia-Stil hoch bewundert und gewann große Bedeutung für die Tuschmalerei der Muromachi-Zeit. Sein poetischer Umgang mit der Leere gilt heute als eine der größten Errungenschaften der Song-Malerei.