Man Ray

Der Surrealist der Fotografie.
Man Ray experimentierte mit Fotogrammen, Solarisation und Objekten. Sein „Le Violon d'Ingres“ macht einen Frauenrücken zu einer Geige.
Man Ray hieß eigentlich Emmanuel Radnitzky und wurde 1890 in Philadelphia in eine jüdische Einwandererfamilie geboren. Er wuchs in Brooklyn in New York auf. Ein Stipendium für ein Architekturstudium lehnte er ab, weil er stattdessen Künstler werden wollte. Die große Armory Show 1913 und die Galerie 291 des Fotografen Alfred Stieglitz öffneten ihm die Augen für die moderne Kunst.
1915 lernte er Marcel Duchamp kennen, der ein lebenslanger Freund wurde. Gemeinsam waren sie zentrale Figuren des New Yorker Dadaismus. 1921 zog Man Ray nach Paris, wo er in die Kreise der Dadaisten und später der Surrealisten aufgenommen wurde. Im selben Jahr schuf er „Cadeau“ (Geschenk), ein Bügeleisen, auf dessen Unterseite eine Reihe von Nägeln geklebt ist, eines der bekannten Objekte des Surrealismus.
Er begann zu fotografieren, um Kunstwerke zu dokumentieren, wurde aber zu einem der innovativsten Fotografen seiner Zeit. Er schuf Fotogramme, die er Rayografien nannte, indem er Gegenstände direkt auf Fotopapier legte und belichtete. Zusammen mit Lee Miller, die um 1930 seine Assistentin und Partnerin war, entwickelte er die Solarisation, bei der das Bild während der Entwicklung Licht ausgesetzt wird, sodass die Konturen einen metallischen Glanz erhalten. Er fertigte außerdem Porträts von Künstlern und Schriftstellern, Modefotografie für Zeitschriften wie Harper's Bazaar und experimentelle Filme.
„Ingres' Geige“ von 1924 zeigt das Modell Kiki de Montparnasse von hinten, mit zwei auf den Rücken gemalten Schalllöchern. Der Titel ist ein Wortspiel: Im Französischen bedeutet der Ausdruck ein Steckenpferd. 2022 wurde ein Abzug des Bildes für über zwölf Millionen Dollar verkauft, ein Rekord für eine Fotografie.
Als Deutschland 1940 in Frankreich einmarschierte, floh er nach Kalifornien. Dort heiratete er 1946 Juliet Browner. 1951 kehrte er nach Paris zurück, wo er 1976 starb. Er sah sich selbst vor allem als Maler, doch es sind die Fotografien und Objekte, die ihn zu einer der Hauptfiguren des Surrealismus und der modernen Fotografie gemacht haben.