Jean-François Millet

Der Maler der Bauern.
Millet malte Bauern beim Säen, Ährenlesen und Beten in Barbizon. Seine Arbeiter besitzen eine monumentale Würde.
Jean-François Millet wurde 1814 im Dorf Gruchy in der Normandie in einer Bauernfamilie geboren. Als junger Mann arbeitete er auf dem Hof und lernte das Bauernleben von innen kennen. Er erhielt Malunterricht in Cherbourg und bekam 1837 ein Stipendium der Stadt, um in Paris bei dem Historienmaler Paul Delaroche zu studieren. In der Großstadt fühlte er sich nicht wohl und lebte lange von Porträts und kleinen, gefälligen Bildern.
Seine erste Frau starb 1844. Danach heiratete er Catherine Lemaire, und sie bekamen neun Kinder. Die Familie lebte lange in Armut. 1848 stellte er „Der Kornschwinger“ im Salon aus. Das Bild eines Bauern, der Getreide reinigt, wurde sein erster Erfolg. Das Gemälde befindet sich in der National Gallery in London. Im Jahr darauf zog die Familie in das Dorf Barbizon am Wald von Fontainebleau, um der Cholera in Paris zu entgehen. Dort lebte er für den Rest seines Lebens.
In Barbizon malte er seine bekanntesten Bilder. „Der Sämann“ (1850) im Museum of Fine Arts in Boston zeigt einen Bauern, der mit großen Schritten Saatgut über einen Acker streut. „Die Ährenleserinnen“ (1857) im Musée d’Orsay zeigt drei arme Frauen, die nach der Ernte liegen gebliebene Ähren auflesen. „Das Angelus“ (1857–1859), ebenfalls im Musée d’Orsay, zeigt ein Paar, das in der Arbeit innehält, um zu beten, als die Kirchenglocke läutet.
Millet malte die Bauern mit Ernst und Würde. Die Gestalten sind schwer und einfach, fast wie Skulpturen, und die Farben erdig. Viele Bürger hielten die Bilder für politisch gefährlich, für eine Verteidigung der Armen. Er selbst sagte, er wolle nur das Leben schildern, das er kenne. Er war auch ein hervorragender Zeichner in Pastell und Kreide.
Die Anerkennung kam spät. Millet starb 1875 in Barbizon. Nach seinem Tod wurde das „Angelus“ zu einem der berühmtesten Gemälde der Welt und für enorme Summen verkauft. Van Gogh bewunderte ihn zutiefst und kopierte viele seiner Motive, und Salvador Dalí war vom „Angelus“ besessen.